VDI entlarvt Wärmepumpen-Mythen

Mit einem Faktencheck will der Verein Deutscher Ingenieure e. V. (VDI) Vorurteile gegenüber der Wärmepumpe ausräumen. Als klimaneutrale Heizung im GEG verankert, kursieren immer noch Wärmepumpen-Mythen, die es auszuräumen gilt.

Luft/-Wasser-Wärmepumpe im Vorgarten eines Einfamiliehauses
Der VDI- Faktencheck Wärmepumpe will die größten Mythen über das Heizgerät entkräften. Der Verein unterstützt mit technischen Richtlinien und Schulungsangeboten den Wärmepumpen-Ausbau in Deutschland. – © Si/ch

Das Gebäudeenergiegesetzes (GEG), das seit 2024 gilt, soll dem CO2-Ausstoss gegensteuern, damit bis 2045 einen klimaneutraler Gebäudesektor entsteht. Darum müssen seit Januar Heizungen in Neubauten zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Diese Regelung wird ab 2026 auch für bestehende Gebäude in Kraft treten.

Gleichzeitig müssen Öl- und Gasheizungen, die älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden. Das sorge laut VDI für Verunsicherung bei vielen Hausbesitzern. Eine umweltfreundliche und rentable Alternative seien Wärmepumpen. Doch haben sie den Ruf, zu kompliziert und zu teuer zu sein – Zeit für den VDI mit den größten Wärmepumpen-Mythen aufzuräumen.

Größte Wärmepumpen-Mythen entkräftet

1 – Wärmepumpen sind nur in gut gedämmten Neubauten effizient: Eine Wärmepumpe kann zwar in gut gedämmten Neubauten ihre Vorteile voll ausspielen. Sie lässt sich aber auch in Bestandsgebäuden einsetzen, wenn diese zumindest teilweise modernisiert und optimalerweise gedämmt werden, um so die Heizleistung zu optimieren.

2 – Wärmepumpen sind im Betrieb teurer als eine herkömmliche Heizung:Tatsächlich können laut VDI Wärmepumpen bei Nutzung von Ökostrom sehr kosteneffizient sein. In gut gedämmten Gebäuden und bei einer Kombination mit einer Photovoltaikanlage sind die Betriebskosten in der Regel niedriger als bei fossilen Heizsystemen. In schlecht gedämmten Häusern oder bei sehr kalten Außentemperaturen müssen Wärmepumpen mehr Energie aufwenden – aber das müssen fossile Heizsysteme ebenfalls.

3 – Wärmepumpen sind nur für Fußbodenheizungen geeignet: Moderne Wärmepumpen können in vielen Fällen auch mit herkömmlichen Radiatoren kombiniert werden, insbesondere wenn diese für niedrigere Vorlauftemperaturen ausgelegt sind.

4 – Wärmepumpen funktionieren nicht bei sehr niedrigen Außen-Temperaturen: Heutige Wärmepumpen können bei Minusgraden effizient arbeiten. Luft-/Wasser-Wärmepumpen verlieren bei extrem niedrigen Temperaturen (unter -20 °C) etwas an Effizienz. Sie benötigen dann mehr Strom, um ausreichend Wärme zu liefern. Erd- und Wasser-Wärmepumpen sind weniger anfällig für Temperaturveränderungen, da sie die Wärme aus dem Boden oder Wasser beziehen, wo die Temperaturen konstanter sind. Solch frostige Wintertage kommen in Deutschland allerdings extrem selten vor.

5 – Die Installation von Wärmepumpen ist komplex und aufwändig: In vielen Fällen ist die Installation einfacher als gedacht, insbesondere wenn der richtige Standort gewählt wird und erfahrene Fachkräfte beteiligt sind.

Weitere Wärmepumpen-Mythen

6 – Die Sanierung des Hauses ist zwingend erforderlich:Tatsächlich kann eine Wärmepumpe auch in unsanierten Bestandsgebäuden sinnvoll eingesetzt werden, besonders in Kombination mit Maßnahmen wie dem Austausch alter Heizkörper.

7 – Wärmepumpen benötigen viel Platz: Inzwischen gibt es kompakte Systeme, die sich auch in kleinen Häusern und Grundstücken problemlos unterbringen lassen.

8 – Die Anschaffung und Installation einer Wärmepumpe ist teuer:Der Kauf und Einbau einer Wärmepumpe in einem Einfamilienhaus können abhängig von Faktoren –  wie Größe des Hauses und sein energetischer Zustand – zwischen 15.000 und 30.000 Euro betragen. Sie sind damit höher als die für ein herkömmliches Heizsystem (Gas oder Öl). Wer auf eine Wärmepumpe umsteigt, kann staatliche Förderungen beantragen und so die Kosten senken. Die Grundförderung beträgt bis zu 35 % der Kosten. Mit zusätzlichen Boni, abhängig von der Effizienz der Wärmepumpe oder dem Haushaltseinkommen, sind insgesamt Förderungen von bis zu 70 % möglich.

9 – Wärmepumpen sind laut:Außen aufgestellte Luft-/Wasser-Wärmepumpen können im Betrieb Geräusche verursachen bis zu 50 dB laut. Das entspricht dem Geräuschpegel eines Kühlschranks oder leiser Hintergrundmusik. Moderne Geräte sind laut VDI jedoch leiser geworden. Und es gibt spezielle Schalldämmungen, die den Lärm reduzieren.

Unterstützung vom VDI

Bei richtig dimensionierten und installierten Anlagen sind Wärmepumpen sowohl wirtschaftlich als auch effizient im Betrieb. Bei der Auswahl des entsprechenden Handwerkers sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass er über entsprechende Qualifikationen verfügt. Der VDI hat dazu Richtlinien zum sachgerechten Einbau im Bestand und für die qualifizierte Durchführung eines hydraulischen Abgleichs erarbeitet.

Bereits mehr als 10.000 Planer und Installateure haben die Schulung zu Einbau und Planung von Wärmepumpensystemen in Ein- und Mehrfamilienhäusern absolviert. Etwa 4.000 davon sind jetzt im öffentlich zugänglichen Register VDI-Sachkundiger Wärmepumpe eingetragen (vdi-sachkundiger-waermepumpe.de). Sie stellen sicher, dass alles nach Plan läuft.

www.vdi.de