Konferenz Infrarotheizung: Im Fokus von Wirtschaftlichkeit und Wohnungsbau

Auf der Konferenz „Infrarotheizung: Wirtschaftlichkeit im Fokus“ Anfang April 2025 zeigten Redner anhand zahlreicher Referenzen das Potenzial von Infrarotheizungen für niedrige Energie- und Baukosten bei neuen und sanierten Ein- und Mehrfamilienhäusern. Regulatorische Hürden behindern aktuell noch den Marktdurchbruch.

Konferenzteilnehmer sitzen an Tischen.
An der Konferenz Infrarotheizung nahmen Entscheider aus der Infrarotheizungsbranche, Immobilienwirtschaft, Gebäudeenergieberatung und dem Handwerk teil. – © IG Infrarot Deutschland
Drei Männer in Anzug vor Bildschirm mit Präsentation auf der Konferenz.
Die Vorstände des IG Infrarot Deutschland e. V. : Christoph Weiland, Lars Keussen und Uwe Lucht. (v. l.) – © IG Infrarot Deutschland

Infrarotheizungen gewinnen an Bedeutung im Heizungsmarkt. Besonders kombiniert mit Photovoltaik ermöglichen sie eine kostengünstige Beheizung von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Auch für Investoren bieten sie wirtschaftliche Vorteile, etwa durch neue Geschäftsmodelle mit höherer Mietrendite. Das zeigte die Konferenz „Infrarotheizung: Wirtschaftlichkeit im Fokus“ am 3. April 2025 in Würzburg anhand zahlreicher Praxisbeispiele. Doch: Regulatorische Hürden bremsen das volle Potenzial für bezahlbares Bauen und Wohnen noch aus.

Die Konferenz, ausgerichtet vom IG Infrarot Deutschland e.V., hat sich seit 2023 als Branchentreff und Netzwerkplattform etabliert. Auch der fünfte Runde Tisch am Vortag brachte Fachleute aus der Infrarotheizungsbranche, Immobilienwirtschaft, Energieberatung und Handwerk zusammen. Erstmals dabei: Sprecher aus Wohnungswirtschaft und Politik. Teilnehmende kamen aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden.

Beiträge auf der Konferenz Infrarotheizung

Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz vom ITG Dresden kritisierte die kurzfristig negativen Effekte des novellierten Gebäudeenergiegesetzes. Der Absatz von Wärmeerzeugern sei eingebrochen, Sanierungen blieben aus, während Baukosten und Mieten weiter steigen. Stromdirektheizungen wie Infrarotheizungen gelten laut aktueller GEG-Fassung nur eingeschränkt als förderfähig – auch aufgrund ihrer unzureichenden Berücksichtigung in Normen wie der DIN V 18599. Oschatz sah aber auch diverse Faktoren, die positiv für Infrarotheizungen sind. So stelle die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD). die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund – hier können Infrarotheizungen mit Wirtschaftlichkeit punkten.

Der Vertreter der Wohnungswirtschaft Michel Böhm (GdW) betonte, dass trotz 545 Mrd. Euro Investitionen in energetische Sanierungen (2010–2022) keine nennenswerten Einsparungen erzielt wurden. Hauptproblem seien stark steigende Baukosten, besonders im technischen Ausbau. Einfachere Technik wie Infrarotheizungen könne hier Abhilfe schaffen. Böhm sieht Potenzial vor allem in Mehrfamilienhäusern – dank niedriger Betriebskosten, minimalem Wartungsaufwand und flexibler Mietmodelle. Auch für den Denkmalschutz seien hybride Infrarotsysteme geeignet.

Elektrifizierung senkt Verbrauch und Primärenergiebedarf

Frank Hummel, Berater für die Elektrifizierung von Gebäuden und Quartieren, betonte die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile elektrischer Versorgungslösungen. Am Beispiel seines Firmengebäudes (HSG GmbH & Co. KG) mit Photovoltaik, Stromspeicher und Infrarotheizung zeigte er: Der reale Heizenergieverbrauch lag 2024 bei nur 33 kWh/m²a – deutlich unter dem ursprünglich berechneten Bedarf. Auch der rechnerische Primärenergiebedarf sank durch Grünstrom auf nur 13,2 kWh/m²a. Hummels Fazit: Wer auf Strom setzt, senkt langfristig Kosten und CO₂-Emissionen.

KfW-Förderung Infrarotheizungen

Joachim Schrader (Bauen + Energie Konzept GmbH) zeigte, wie sich mit Infrarotheizungen und Photovoltaik auch im Neubau und in der Sanierung KfW-Effizienzhaus-Standards (55/40) erreichen lassen – bei gleichzeitig sinkenden Bau- und Betriebskosten.

Am Beispiel einer Klostergaststätte in Maria Laach senkte er die CO₂-Emissionen um 90 % und die jährlichen Energiekosten von 5.700 € auf 640 €. In Wiesbaden wurde durch Sanierung eine Hofreite in fünf Wohneinheiten umgewandelt – mit Infrarotheizung, dezentraler Lüftung und Warmwasserbereitung. Ergebnis: maximaler KfW-Zuschuss (272.500 €) und nur 800 € Brennstoffkosten im Jahr.

Pauschalmiete inklusive Energieflatrate

Für Energieexperte Prof. Timo Leukefeld sind Infrarotheizungen fester Bestandteil hochgradig energieautarker Gebäude. Mit PV, Stromspeicher und dem von ihm entwickelten Autarkie-Boiler lassen sich stabile Energiekosten und attraktive Renditen erzielen – etwa durch Pauschalmieten ohne Nebenkostenabrechnung. Das Projekt in Aschersleben, wo ein DDR-Plattenbau mit PV-Fassade, Stromspeichern und Infrarotheizung auf Effizienzhaus 55 saniert wurde ist bekannt, siehe hier (auch SI Heft 12-2024, S.62-64).

Leukefeld stellte noch andere diverse Projekte vor, darunter Mehrfamilienhäuser, eine Quartierslösung in Bad Liebenwerda und kommunale Gebäude wie eine Kindertagesstätte in Wiesbaden.

Fazit Konferenz Infrarot 2025: Steigende Nachfrage und mehr Projekte

„Die über Jahre dokumentierten Energiebilanzen zeigen, wie stark Infrarotheizungen zu einer hervorragenden Energiebilanz und niedrigen Energiekosten beitragen können“, resümierte Lars Keussen, Vorstand der IG Infrarot. Der Vorstand, die Referenten sowie andere Teilnehmer der Konferenz beobachten aktuell eine steigende Nachfrage nach Infrarotheizungen.

Nächstes Jahr gibt es wieder eine Konferenz: Der 6. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche findet am Mittwoch, 15. April 2025, die Konferenz am Donnerstag, 16. April 2025 statt. Veranstaltungsort wird wieder das Best Western Premier Hotel Rebstock in Würzburg sein.

ig-infrarot.de