Wärmepumpe und Klimagerät in einem

Gebäude sollten nicht nur auf den Wärmebedarf ausgelegt werden. Der FGK weist aufgrund zunehmender Hitzeperioden darauf hin, dass auch Wärmeschutz und die Kühlung an heißen Sommertagen zu berücksichtigen sind.

Seit Juli 2025 wird die Doppelhaushälfte überwiegend per Luft-/Luft-Wärmepumpe beheizt. An kalten Wintertagen ergänzt ein Kaminofen die Wärmeversorgung.
Bild 1: Seit Juli 2025 wird die Doppelhaushälfte überwiegend per Luft-/Luft-Wärmepumpe beheizt. An kalten Wintertagen ergänzt ein Kaminofen die Wärmeversorgung. – © FGK e. V.

Die aktuellen Hitzewellen zeigen wieder deutlich, warum Gebäude nicht nur auf den Heizbetrieb ausgelegt sein sollten. Ebenso wichtig sind angenehme Bedingungen im Sommer, um Gesundheit, Wohnkomfort und Leistungsfähigkeit zu erhalten. Von besonderer Bedeutung ist das für ältere Menschen und andere sehr hitzeempfindliche Personen, letztlich profitieren aber alle davon. Dennoch werden Konzepte für sommerlichen Wärmeschutz und Kühlung nur in Hitzeperioden thematisiert. Anschließend geraten sie schnell wieder in Vergessenheit – bis zur nächsten Hitzewelle.

Heizen, kühlen und bei Bedarf entfeuchten – alles mit einem System

Der Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK) empfiehlt eine zukunftssichere, energieeffiziente Lösung für Sanierung und Neubauten: Luft-/Luft-Wärmepumpen übernehmen sowohl das Heizen im Winter als auch das Kühlen im Sommer. So ermöglicht das System mit nur einer Investition angenehme Raumtemperaturen in jeder Jahreszeit. Und es bietet einen weiteren Vorteil: Luft-/Luft-Wärmepumpen können bei Bedarf die Raumluft entfeuchten und so den Komfort an schwül-heißen Sommertagen weiter steigern.

Praxisbeispiel: Sanierung einer Doppelhaushälfte

Ein reales Sanierungsprojekt zeigt, wie groß das Einsparpotenzial einer Luft-Luft-Wärmepumpe sein kann: Im vergangenen Jahr wurde in einer Doppelhaushälfte mit 158 m² Wohnfläche die Ölheizung durch zwei Multisplit-Systeme ersetzt. Ergänzt wurde die Anlage um einen neuen Speicher mit elektrischem Heizstab. Einen Teil des Strombedarfs deckt die vorhandene Photovoltaikanlage.

Im Sommer wird die Luft-/Luft-Wärmepumpe zum Kühlen und Entfeuchten der Räume genutzt – besonders oft im Homeoffice im Dachgeschoss.
Bild 2: Im Sommer wird die Luft-/Luft-Wärmepumpe zum Kühlen und Entfeuchten der Räume genutzt – besonders oft im Homeoffice im Dachgeschoss. – © FGK e. V.

Mit zwei Außeneinheiten und sechs Innengeräten werden sechs Räume beheizt und gekühlt. Der höchste Kühlbedarf ist im Dachgeschoss. Hier befindet sich das ganztägig genutzte Homeoffice, dementsprechend läuft dieses Innengerät viele Stunden am Tag. Die übrigen Räume werden nach Bedarf gekühlt, im Schlafzimmer auf Raumtemperaturen zwischen 21 und 25 °C, in allen anderen Räumen auf Werte zwischen 25 und 27 °C.

Kosten für Investition, Heiz- und Kühlbetrieb

Die Investitionskosten für die beiden Multisplit-Systeme einschließlich Elektroarbeiten und Energieberatung sowie Ausbau und Entsorgung der Ölheizung samt Tanks betrugen rund 27.000 Euro. Die Maßnahme wurde im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit 30 % bezuschusst. Dazu kamen ca. 8.000 Euro für den Trinkwarmwasserspeicher abzüglich einer Abschreibung von rund 600 Euro. Insgesamt beliefen sich die Investitionskosten auf rund 26.000 Euro brutto (siehe Beispielrechnung im Infokasten unten).

Bis zur Sanierung lagen die Energiekosten für das Heizen bei rund 2.120 Euro jährlich. Nach dem ersten vollständigen Betriebsjahr der neuen Anlage errechneten die Bewohner Heizkosten in Höhe von 1.220 Euro. Damit verringerten sich die Heizkosten um mehr als 40 %.

Seit Juli 2025 wird die Doppelhaushälfte überwiegend per Luft-/Luft-Wärmepumpe beheizt. An kalten Wintertagen ergänzt ein Kaminofen die Wärmeversorgung.
Bild 3: Seit Juli 2025 wird die Doppelhaushälfte überwiegend per Luft-/Luft-Wärmepumpe beheizt. An kalten Wintertagen ergänzt ein Kaminofen die Wärmeversorgung. – © FGK e. V.

Vom Strombedarf für die Kühlung, der bei rund 350 kWh lag, deckte die Photovoltaik-Anlage etwa 40 %, sodass die Kühlung im gesamten Jahr nur 63 Euro an Stromkosten verursachte. Bild 3 zeigt den Verlauf des Strombedarfs in einer Phase mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 27 und fast 40 °C. Bei Außentemperaturen bis ca. 30 °C kommt die Anlage mit 6 bis 8 kWh am Tag aus. Das entspricht bei einem Strompreis von 30 Cent je kWh ungefähr dem Preis für eine Kugel Eis. An extrem heißen Tagen mit Tageshöchsttemperaturen über 38 °C stiegen die Stromkosten auf den Gegenwert von 2 bis 3 Kugeln Eis.

Fazit

Durch die Kombination aus kostengünstiger Kühlung und großem Einsparpotenzial bei den Heizkosten sind Luft-/Luft-Wärmepumpen eine interessante Alternative zu anderen Heizsystemen. Angesichts längerer und intensiverer Hitzewellen wird der thermische Komfort – im Sommer ebenso wie im Winter – künftig zu einem Qualitätsmerkmal moderner Wohngebäude.

www.fgk.de

Ein Praxisbeispiel im Überblick


Doppelhaushälfte, Wohnfläche: 158 m²

Investitionskosten (gerundete Werte): Heizungstausch, förderfähiger Anteil gemäß Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)

Ausbau und Entsorgung der alten Ölheizung und der Tanks 2.000 Euro
Multisplit-System mit 2 Außeneinheiten und 6 Inneneinheiten 20.000 Euro
Elektroarbeiten und Energieberatung 5.000 Euro
Summe förderfähige Kosten Heizungstausch 27.000 Euro
Zuschuss aus der BEG –8.100 Euro


Warmwasserbereitung elektrisch

Strombedarf wird teilweise mit Photovoltaik gedeckt Trinkwarmwasserspeicher 8.000 Euro
Abschreibung – 600 Euro
Gesamtkosten Brutto ~ 26.000 Euro

Heizkosten (jährlich, gemessener Energieverbrauch und reale Energiekosten)

Vor der Sanierung Heizölverbrauch: 2.000 l ~ 2.000 Euro
Kaminofen ~ 120 Euro
Summe ~ 2.120 Euro

Nach der Sanierung (Verbrauch Juli 2025 bis Juni 2026)

Stromverbrauch Luft-/Luft-Wärmepumpe (2 Außengeräte, 6 Innengeräte): 2.255 kWh ~ 680 Euro
Stromverbrauch für Warmwasser: 1.100 kWh (Hochrechnung) ~ 330 Euro
Kaminofen ~ 210 Euro
Summe ~ 1.220 Euro


Einsparung ~ 900 Euro