DIW Energiewende-Monitor: Solarenergie verliert an Schwung

Die Energiewende macht Fortschritte – aber nicht schnell genug. Laut dem aktuellen Energiewende-Monitor des DIW Berlin fällt selbst die bislang erfolgreichste Technologie, die Photovoltaik, hinter die steigenden Ausbauziele zurück. Bei Wärmepumpen und E-Autos fehlt der Durchbruch, und das Stromnetz braucht dringend mehr Flexibilität.

Symbolbild Energiewende mit PV-Freiflächenanlage im Hintergrund Überland-Oberleitungen Strom und Windräder
DIW Energiewende-Monitor zum 1. Halbjahr 2026: Die Energiewende in Deutschland kommt weiter voran, ihr mangelt es aber in zentralen Bereichen an Tempo. – © lovelyday12/adobe.stock.com
Grafik mit Tachos zum Ausbautempo PV, Windkraft an Land und auf See
Die Energiewende-Tachos zeigen an: Aktuell wird in Deutschland auf die Bremse getreten. – © DIW

Der aktuelle Energiewende-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) analysiert die Entwicklung zentraler Energiewendetechnologien im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland. Die Studienautoren haben festgestellt, dass der bislang erfolgreiche Photovoltaik-Ausbau an Dynamik verliert. Das Ausbautempo reicht nicht mehr aus, um die steigenden Ausbauziele bis 2030 zu erreichen.

PV: Vom Musterschüler zum Sorgenkind?

Zwar liegt laut Studie die installierte Leistung derzeit noch über dem Ausbaupfad, sie könnte diesen Vorsprung jedoch bald verlieren. Dieses Bild habe sich gewandelt. Das PV-Ausbautempo im ersten Halbjahr 2026 lag nur noch bei knapp 80 % des künftig erforderlichen Tempos – nach knapp 90 % im vorangegangenen Halbjahr.

Studienautor Wolf-Peter Schill sagt: „Die Einspeisetarife für Aufdachanlagen werden im Kontext der EEG-Reform vermutlich wegfallen. Dann ist die Frage, wie stark der Zubau der Aufdachanlagen in Zukunft noch sein wird und wie stark das durch einen beschleunigten Ausbau von Freiflächenanlagen kompensiert werden kann.“

Mehr Marktanteile: Wärmepumpen und E-Autos

Bei der Elektrifizierung von Wärme und Verkehr zeigt sich laut Energiewende-Monitor ein zwiespältiges Bild. Im ersten Quartal 2026 war fast jede zweite neu verkaufte Heizung eine Wärmepumpe – gleichzeitig wurden aber weiterhin viele fossile Heizungen abgesetzt.

Ähnlich bei den Elektrofahrzeugen: Knapp jedes vierte neu zugelassene Auto war im ersten Halbjahr 2026 rein batterieelektrisch, auch bei Nutzfahrzeugen steigen die Anteile. Dennoch dominieren Verbrennungsmotoren weiterhin klar die Neuzulassungen.

„Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz dürfte den Hochlauf von Wärmepumpen aber kaum beschleunigen, während die Debatte über das ‚Aus vom Verbrenner-Aus‘ die Elektromobilität auszubremsen droht“, so Schill.

Handlungsdruck bei Stromsystem wächst

Die Preisentwicklung beim Strom zeige die fehlende Flexibilität im Stromnetz, so die Studienautoren. Die wachsende Einspeisung aus erneuerbaren Energien stellt das Stromsystem vor zunehmende Herausforderungen. Im ersten Halbjahr 2026 kam es in 291 Stunden zu negativen Strompreisen – deutlich mehr als im zweiten Halbjahr 2025 (184 Stunden). Die rechnerischen Verluste der Stromerzeugung in diesen Stunden erreichten mit rund 430 Mio. Euro einen neuen Rekordwert.

Das Muster ist dabei charakteristisch: Mittags fallen die Strompreise durch die hohe Solarstromerzeugung immer stärker, während sie abends steigen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Speicher und andere Flexibilitätsoptionen bislang nicht im gleichen Tempo wachsen wie die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie.

Balkendiagramm negativer Strompreis
Der rechte Teil der Grafik zeigt die rechnerischen Markterlöse des gesamten erzeugten Stroms in den Stunden der negativen Preise. Quelle: SMARD-Daten der Bundesnetzagentur, Open Energy Tracker. – © DIW

Großspeichermarkt wächst

Mehr Batterien können die negativen Strompreise auffangen. So ist laut Studie positiv, dass der Markt für Großbatterien vorankommt. Der Speicherzubau hat sich gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr fast verdoppelt, und die insgesamt am Netz befindliche Speicherkapazität stieg innerhalb von sechs Monaten um die Hälfte. Der Ausbau könnte jedoch noch deutlich schneller erfolgen, wenn Netzanschlüsse zügiger bereitgestellt würden.

An die Politik: Ausbauziele konsequenter verfolgen

Studienautor Wolf-Peter Schill, Leiter des Forschungsbereichs Transformation der Energiewirtschaft im DIW Berlin

Studienautor Wolf-Peter Schill, Leiter des Forschungsbereichs Transformation der Energiewirtschaft im DIW Berlin

„Die Voraussetzungen für eine deutliche Beschleunigung der Energiewende sind heute viel besser als noch vor wenigen Jahren – nicht zuletzt wegen verbesserter Rahmenbedingungen und technologischer Fortschritte bei Schlüsseltechnologien. Umso wichtiger ist es, an den Ausbauzielen festzuhalten und die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr viel entschlossener voranzutreiben als zuletzt“, sagt Schill. Eine solche Entwicklung sei nicht nur für den Klimaschutz wichtig, sondern würde auch die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieimporten verringern.

„Die Energiewende macht Fortschritte, aber in den meisten Bereichen nicht schnell genug. Besonders bei Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen bleibt ein echter Durchbruch bislang aus, der auch zur Verringerung der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten notwendig wäre,“ fasst Wolf-Peter Schill zusammen

Der Energiewende-Monitor erstes Halbjahr auf einen Blick zum Download (PDF)

www.diw.de