Eine Studie von Fraunhofer ISE und Öko-Institut zu kommunalen Wärmeplänen zeigt eine große Lücke zwischen Solarthermie-Potenzial und geplanter Nutzung. Der BSW-Solar fordert deshalb, bei der Umsetzung nachzubessern. Praxisbeispiele würden zeigen, wie im großen Umfang große Solarthermie-Anlagen fossile Brennstoffe ersetzen können.


Deutschlands Kommunen verfügen über enorme Potenziale zur klimafreundlichen Wärmeerzeugung aus Sonnenenergie. Genutzt werden sollen davon bislang jedoch nur Bruchteile. Das zeigt eine aktuelle Auswertung im Projekt KOMpare 2026 von Fraunhofer ISE und Öko-Institut.
Die Forschenden haben 377 Wärmepläne für 938 Kommunen ausgewertet. Zusammen weisen die Pläne für Solarthermie ein Potenzial von rund 457 TWh pro Jahr aus. Das ist mehr als bei jeder anderen Wärmequelle, etwa Photovoltaik (334 TWh), Geothermie (191 TWh) oder Umgebungswärme (107 TWh). Zum Vergleich: 457 TWh entsprechen rund 17.500 Anlagen in der Dimension der derzeit größten kommunalen Solarthermie-Anlage in Leipzig.
Ungenutztes Potenial
Dennoch berücksichtigen nur knapp 40 % der untersuchten Kommunen Solarthermie in ihren Zielbildern für 2045. Im geplanten Erzeugungsmix der Wärmenetze erreicht sie bei den Kommunen mit entsprechenden Angaben lediglich einen Anteil von nur 3,6 %.
Die Studienautoren nennen zwei Gründe für die Zurückhaltung. Erstens fällt der Ertrag vor allem im Sommer an. Zweitens konkurriert Solarthermie um Flächen mit der Photovoltaik, die in der Regel ein günstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis hat.
BSW-Solar: Jetzt fallen die Entscheidungen
Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sieht darin ein erhebliches Versäumnis und fordert, Solarthermie bei der konkreten Planung und Umsetzung kommunaler Wärmeprojekte stärker zu berücksichtigen. „Die Sonne steht bei den Potenzialen ganz oben, in den konkreten Wärmeplanungen aber weit unten. Das passt nicht zusammen“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar).
Der Zeitpunkt sei wichtig. Laut einer Befragung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) unter 778 Kommunen sind bereits 40 % in der Umsetzungsphase, im Vorjahr waren es 17 %. Der BSW fordert, Solarthermie in den Wärmeplänen und in den Transformationsplänen der Netzbetreiber systematisch zu prüfen. Dazu gehören aus seiner Sicht die frühzeitige Sicherung geeigneter Flächen, die Bewertung wirtschaftlich sinnvoller solarer Deckungsanteile sowie die Einbindung von Tages- und Saisonalspeichern. Auch verlässliche Förderbedingungen und zügige Genehmigungsverfahren seien entscheidend.
Leipzig und Mittelhessen als Beispiele
Die Solarthermieanlage der Stadtwerke Leipzig zeige, dass Solarwärme auch im großen Maßstab funktioniert. Deutschlands größte Anlage wurde im Juni 2026 offiziell in Betrieb genommen. Sie liefert von rund 65.000 m² Kollektorfläche jährlich etwa 26 GWh ins Fernwärmenetz der Stadtwerke. An sonnigen Sommertagen kann sie bis zu 20 % des Leipziger Fernwärmebedarfs decken.
In ländlichen Netzen mit Saisonalspeicher sind deutlich höhere Anteile möglich. Im hessischen Bracht (Rauschenberg) soll ein Genossenschaftsnetz mit Erdbeckenspeicher rund 70 % des Jahreswärmebedarfs mit Sonnenwärme decken. Im benachbarten Amöneburg-Rüdigheim plant die Genossenschaft rund 87 % Solaranteil. Den Rest liefert erneuerbarer Strom, Biomasse wird nicht eingesetzt.
Solare Fernwärme: Viel Luft nach oben
Insgesamt steht die solare Fernwärme noch am Anfang: Bundesweit gibt es rund 3.800 Wärmenetze, aber erst etwa 75 große Solarthermieanlagen. „Die kommunale Wärmeplanung darf nicht bei bunten Potenzialkarten stehen bleiben“, so Körnig. „Jetzt kommt es darauf an, aus den Plänen konkrete Projekte zu machen. Solarthermie kann einen wichtigen Beitrag zu bezahlbarer, sicherer und klimafreundlicher Wärme leisten. Dieses Potenzial sollten wir nicht ungenutzt lassen.“