Der Pfiffikus hat in den letzten beiden Jahren schon so einiges gesehen: Bakterien, die Strom liefern, Bäume, die nach Wasser funken, und Ahornsamen, die zu Rotorblättern mutieren. Doch nun stolpert er über eine Idee, die so schlicht daherkommt, dass sie fast schon wieder
genial wirkt: ein Erdhaufen als Energiespeicher.

Im US-Bundesstaat Oklahoma ragt bereits eine Testanlage des Start-ups Standard Thermal in die Höhe. Genauer gesagt: 10 m.
10 m Erde gegen die Dunkelflaute
Wer futuristische Türme, blinkende Batteriemodule oder ein Wirrwarr aus Rohren erwartet, wird enttäuscht.
Es ist ein Hügel. Ein Haufen Erde. Punkt.
Firmenchef Austin Vernon hat sich dabei allerdings mehr gedacht als ‚ „Lass uns mal ein bisschen Dreck aufschütten“. Die Idee lautet: Überschüssiger Solarstrom wird in Wärme umgewandelt und im Erdreich zwischengeparkt. Tage, Wochen oder sogar länger soll die Wärme dort schlummern, bis die Industrie sie zurückhaben möchte. Der Pfiffikus findet den Ansatz sympathisch pragmatisch – schließlich ist es bekanntlich billiger, Erde aufzutürmen als Lithium-Ionen-Zellen zu fertigen.
Speichern statt abregeln
Das Problem, das der Erdhügel lösen soll, kennt der Pfiffikus zur Genüge: Wenn die Sonne knallt oder der Wind pfeift, produzieren Solar- und Windanlagen mehr Strom, als das Netz verkraften kann. Also wird abgeregelt – Energie, die schlicht verpufft. Speicher könnten helfen, sind aber in großem Maßstab teuer und meist auf kurze Zyklen ausgelegt.
Thermische Energiespeicher im Boden rücken deshalb in den Fokus der Energiebranche. Statt Elektronen mühsam in chemischen Zellen einzusperren, wird die Energie in Form von Wärme in einem Medium geparkt, das ohnehin überall herumliegt. Und trockene Erde hat gegenüber den großen Wasserspeichern einen bestechenden Vorteil: Sie verträgt deutlich höhere Temperaturen, ohne zu verdampfen, sie muss nicht aufwendig gedämmt werden, und sie leitet Wärme weit weniger gut nach außen.Weniger Verluste, längere Speicherzeiten, keine Rohrschlangen unter Druck –
der Pfiffikus staunt, wie viel Ingenieurskunst man sich schenken kann, wenn man einfach das Richtige aufschüttet.
Was ist mit dem Sommer?
Eine Frage aber lässt den Pfiffikus nicht los: Wenn der Hügel Wärme so schön monatelang festhält – ginge das nicht auch umgekehrt? Also im Winter Kälte einlagern und im Hochsommer die überhitzten Fabrikhallen und Bürotürme damit kühlen? Bei Wasserspeichern und Aquiferen ist das längst gelebte Praxis. Ob Standard Thermals Erdhügel diese saisonale Doppelrolle spielen könnten, ist fraglich. Für die SHK-Branche wäre es allerdings hochspannend: Ein Speicher, der im Winter heizt und im Sommer kühlt, wäre ein echter Allrounder.
Ob aus dem Erdhügel ein tragfähiges Geschäftsmodell wird, muss sich erst noch zeigen. Der Pfiffikus hat schon viele Testanlagen kommen und gehen sehen. Aber die Vorstellung, dass ausgerechnet ein simpler Haufen Erde einen Teil des Speicherproblems entschärft, hat durchaus Charme. So manches Mal, denkt sich der Pfiffikus schmunzelnd, liegt die Lösung eben wortwörtlich am Boden – oder auch im Boden.
Ihr
Pfiffikus