Bezahlbarer Wohnraum in Großstädten mit „Energy Flat Living“-Modell

Rendering-Modell Mehrfamilienhaus, 3 Geschosse, mit PV-Fassade und PV-Dach
Energiekonzept beim „Energy Flat Living“-Modell: Mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an den Fassaden lassen sich hohe solare Deckungsgrade für die Strom- und Wärmeversorgung erreichen. – © Nane Bau

Ein neues Netzwerk mit vier Unternehmen aus der Immobilien- und Energiebranche will mit dem „Energy Flat Living“-Modell bezahlbare Wohnungen in Großstädten schaffen. Der Pauschalmietpreis soll 12,50 Euro pro m² betragen. Auf einer Veranstaltung im Juni 2025 bei 3lectrify in Sauerlach hat es sein Modell mit Nutzung von PV und Infrarotheizungen erstmals vorgestellt

Vier Manner sitzend nach einem Vortrag. Im Hintergrund Folien vom Vortrag an die Wand projiziert.
Die Köpfe des Netzwerks Alan Luksic, Gesellschafter bei der Nane Bau; Sven Keussen, geschäftsführender Gesellschafter der Rohrer Immobilien; Lars Keussen, Gründer des Kompetenzzentrums 3lectrify und Energieexperte Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld beantworten Fragen zu ihrem Konzept für bezahlbaren Wohnraum in Großstädten (v. l.). – © 3lectrify

Eckpfeiler des Konzeptes sind günstiger PV-Strom für die Strom- und Wärmeversorgung, eine konsequente Enttechnisierung der Haustechnik, serielles Bauen, Verzicht auf Tiefgarage und Keller sowie die Finanzierung über ESG-Bonds. In den preisgünstigen Wohnungen sollen über 50 Prozent des elektrischen und thermischen Energiebedarfs mit großen PV-Anlagen gedeckt werden. Elektrische Infrarotheizungen sorgen dabei ganz ohne aufwändige wasserführende Verrohrung für Wärme .

Zum privatwirtschaftlichen Netzwerk für bezahlbaren Wohnraum in deutschen Großstädten gehören das über 100 Jahre alte Immobilienunternehmen Rohrer Immobilien GmbH aus München, das Berliner Bauunternehmen Nane Bau GmbH, das Kompetenzzentrum 3lectrify der Moonich GmbH und die Timo Leukefeld GmbH.

Energy Flat Living“-Modell

Gemeinsam appellieren die vier Unternehmen an Eigentümer von erschlossenen, baureifen Grundstücken. Sie sollen diese gegen ein Nutzungsentgelt im Rahmen eines Erbpacht-Vertrages zur Verfügung zu stellen. Dies ist die Voraussetzung dafür, das „Energy Flat Living-Modell“ in die Realität umzusetzen. Dabei denkt das Netzwerk an Bund, Länder, Städte und Gemeinden, aber auch an Kirchen, Unternehmen und private Eigentümer von Grundstücken. Ein Beispiel für ein realisiertes „Energy Flat Living“-Modell ist die Sanierung von Plattenbauten in Aschersleben.

Auf einer Veranstaltung im Juni 2025 bei 3lectrify in Sauerlach bei München haben die Kooperationspartner ihr Modell erstmals vor Fachleuten aus der Politik und Wirtschaft vorgestellt. Im Fokus stehen Wohnungen für Haushalte mit mittlerem Einkommen in Großstädten. Das anfängliche Ziel sind 1.000 Wohnungen mit diesem Konzept in Bayern. Mittelfristig sollen 10.000 Wohnungen entstehen und langfristig 100.000 Wohnungen in deutschen Metropolen. 

Finanzierung über ESG-Anleihen

Wie lassen sich innovative und bezahlbare Wohnkonzepte in Städten realisieren? Alan Luksic von der Nane Bau GmbH setzt dabei auf ESG-Anleihen. ESG steht für „Environmental, Social and Governance“ (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Diese Finanzierungsform ist an die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele gekoppelt. Sie passt ideal zum „Energy Flat Living“-Ansatz. CO₂-arme Bauweise, fossilfreie Energieversorgung und nachhaltige Stadtentwicklung.

Konkret bedeutet das: Ein 1.500 m² großes Grundstück kann mit 15 bis 20 energieeffizienten Wohnungen bebaut werden. Auf Keller oder Tiefgaragewird verzichtet, um teuren Tiefbau zu vermeiden. Die Bauzeit beträgt rund 12 Monate, das Investitionsvolumen etwa 2,1 Mio. Euro (ohne staatlicheFörderung). „Alle müssen sich bewegen“, so Lars Keussen. Ob Kommunen, Kirchen oder Firmen – gefragt sind neue Wege für mehr bezahlbaren Wohnraum in Ballungsräumen.

Die nächsten Veranstaltungen zum bezahlbaren Wohnen finden am 29./30. September 2025 und am 12./13. November 2025 im 3lectrify-Kompetenzzentrum in der Kramergasse 32 in Sauerlach statt.

3lectrify.com