Die DGS, Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, appelliert an die künftigen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD, dass sie bei den Koalitionsverhandlungen eine Förderung großer Solarthermie-Anlagen berücksichtigen sollten. Das würde zu einer schnelleren Wärmewende führen.


„Das bewilligte Sondervermögen mit den darin vorgesehenen 100 Mrd. Euro für Klimaschutzmaßnahmen schafft den finanziellen Rahmen für eine wirksame Förderung“, sagt Torsten Lütten, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Er verweist in Hinblick auf die deutsche Energiewende auf die vorbildliche Förderung für solarthermische Prozesswärmeanlagen in der Schweiz. Dort sei die Förderung von solarthermischen Prozesswärmeanlagen ab 70 kW Nennleistung seit Anfang 2025 in der Klimaschutz-Verordnung gesetzlich verankert.
Solarthermische Prozesswärme: Vorbild Schweiz
Laut DGS sieht die Schweiz aktuell vor, Prozesswärmeanlagen besonders zu fördern. Gemäß der Schweizer Klimaschutz-Verordnung werden neue solarthermische Prozesswärme-Anlagen sowie erweiterte Bestandsanlagen gefördert. Die Fördervoraussetzung ist, dass die thermische Nennleistung größer als 70 kW ist und dass die Solarthermie-Anlage eine Heizöl- oder Erdgasheizung oder Elektrodirektheizung ersetzt. Zudem muss eine Anlagenüberwachung installiert werden, und es müssen qualitätsgeprüfte Kollektoren sein.
Der Schweizer Fördersatz beträgt laut Klimaschutz-Verordnung 2.400 Franken (ca. 2.515 Euro) Grundbeitrag sowie 1.000 Franken (ca. 1.048 Euro) pro kW thermische Kollektornennleistung.
Die Förderung könnte sogar auf kleinere Anlagen ausgedehnt werden. Denn es gibt eine CO2-Verordnung in der Schweiz, in der die Förderung solarthermischer Anlagen ab 35 kW beschrieben ist. Diese CO2-Verordnung sei aber noch nicht in Kraft, so der DGS.
Potenzial großer Solarthermie-Anlagen in Deutschland
Ende 2024 waren nach Angaben des BSW rund 2,59 Mio. Solarwärmeanlagen mit einer Brutto-Kollektorfläche von rund 21,82 Mio. m² in Betrieb. Das größte Potenzial für den Zubau sehen Experten in den Marktsegmenten der solaren Fernwärme und der industriellen Prozesswärme. So erzeugten laut Forschungsinstitut Solites aus Stuttgart Ende letzten Jahres 58 Solarthermie-Großanlagen in Deutschland mit insgesamt 163.411 m² Bruttokollektorfläche CO2-freie Wärme für Fernwärmenetze.
Diverse Großanlagen sind aktuell im Bau und in der Ausschreibung, immer mehr gehen in Planung. Das Stuttgarter Institut geht davon aus, dass sich die Anlagenzahl schnell verdoppeln könnte. Diese großen Solarthermieanlagen benötigen allerdings Fläche, die bislang nicht für sie vorgesehen war. „Daher sind die Priorisierung und die erhebliche Vereinfachung der Genehmigung der Anlagen dringend erforderlich“, so DGS-Präsident Lütten.
Appell an Koalitionäre: Schnellere Wärmewende
„Der Anschluss an ein Wärmenetz ist eine elegante Option für HausbesitzerInnen, bei der Beheizung ihrer Gebäude auf Erneuerbare umzusteigen, ohne selbst technisch umrüsten zu müssen“, erklärt der Solarthermie-Experte Lütten. „Die technisch ausgereifte Solarthermie kann einen wichtigen Beitrag zur raschen Dekarbonisierung der Wärmenetze leisten. Das Gleiche gilt für die Wärmeversorgung der Industrie.“
Dass solarthermische Prozesswärmeanlagen wirtschaftlich sind, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in einer Ende 2024 veröffentlichten Studie ermittelt. Demnach sind solarthermische Anlagen zur Herstellung von Prozesswärme deutlich wirtschaftlicher als Erdgasanlagen.