Der Pfiffikus erinnert sich noch gut daran, wie er im Herbst als Kind den lustigen Taumelflug der Ahornsamen beobachtet oder ein lustiges Spiel gemacht hat, indem er sich eine Hälfte des Samens als kleines Horn auf den Nasenrücken geklebt hat. Jetzt allerdings schaut er etwas verwundert:

Denn Forscher der Hochschule Rhein-Waal haben dem Vorbild der Ahornsamen folgend biomimetische (= die Natur nachahmende) Rotorblätter entwickelt.
Prof. Dr.-Ing. Joachim Gebel und sein Kollege Sawkat Hossain von der Hochschule Rhein-Waal haben die Flügel von Ahornsamen dazu ganz genau untersucht und festgestellt: Die kleinen Dinger wirbeln beim Fallen clever durch die Luft. Dies brachte sie auf die Idee, ein neues Rotorblattkonzept zu konzipieren und zur Patentierung zu bringen.
Die Colt International GmbH hat die Lizenz für die biomimetischen Rotorblätter erworben. Geschäftsführer Lukas Verlage schwärmt von der Verbindung aus Innovation, Nachhaltigkeit und Effizienz. Das Unternehmen, das sich vorrangig mit den Themen Brandschutz, Klimatechnik und Sonnenschutz beschäftigt, will die Erfindung in seine Produktpalette einbauen.
Wirbel an der richtigen Stelle
Die Ahornsamen-Technik funktioniert folgendermaßen: Beim Fallen erzeugen die Flügel einen Wirbel, der das langsame Gleiten ermöglicht. Das hatte schon Leonardo da Vinci entdeckt und sich von diesem Propellerflug zur Zeichnung seiner „Luftschraube“ inspirieren lassen.
Die Forscher heute haben dieses Prinzip nun auf Rotorblätter übertragen. Der Wirbel an der Vorderkante sorgt für die nötige Auftriebskraft – und das schon bei Windgeschwindigkeiten unter 5 m/s. Dem Pfiffikus gefällt das: Während herkömmliche Windräder bei Flaute recht nutzlos in der Landschaft herumstehen, sollen diese biomimetischen Rotorblätter auch bei schwächeren Brisen noch ordentlich Energie ernten. Überdies sind sie einfach und günstig herzustellen.
Recycling statt Sondermüll
Besonders interessant wird es beim Thema Nachhaltigkeit. Klassische Rotorblätter aus Glasfaser oder kohlefaserverstärkten Kunststoffen sind schwer zu entsorgen. Denn diese Materialien lassen sich kaum recyceln, und auch die thermische Verwertung ist problematisch. Die neuen, bionisch geformten Rotorblätter können dagegen aus handelsüblichen Rohstoffen wie Kunststoff oder recycelbarem Aluminium gefertigt werden.
Der Pfiffikus denkt sich: Endlich mal eine Lösung, die nicht nur effizienter arbeitet, sondern auch das Müllproblem angeht. Die Entwicklung wurde von Anfang an durch Provendis, dem zentralen Dienstleister des vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Hochschulverbunds innovation2business.nrw begleitet. So wird aus Hochschulforschung zukunftsfähige Technik – vom Ahornsamen hin zum industriell fertigbaren Ventilator.
Der Natur sei Dank.
Ihr
Pfiffikus