Geleakter Entwurf EEG-Reform: Kleine PV-Anlagen verlieren Förderung

In dem geleakten Referentenentwurf plant das Bundeswirtschaftsministerium, dass sich private PV-Anlagen auf Eigenheimen nicht mehr rechnen wie bisher. Die Einspeisevergütung soll gestrichen werden, Hausbesitzer müssten ihren PV-Strom selbst vermarkten. Der BSW Solar warnt vor dem Wegfall von zehntausenden Arbeitsplätzen.

Einfamilienhaus mit PV-Dach
Sollte die Förderung zukünftig wegfallen, würden 40 % der Deutschen auf ein PV-Dach verzichten. Damit droht ein weiterer Rückgang des deutschen PV-Ausbaus, der sich seit zwei Jahren abzeichnet. – © Si/ch

Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) handelt es sich um einen Frontalangriff auf die Energiewende in Deutschland. Sollte der Gesetzesentwurf in der vorliegenden Fassung umgesetzt werden, so der Verband, wären zehntausende Arbeitsplätze in der Solarbranche gefährdet. Die Solarbranche appelliert an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, von den Plänen Abstand zu nehmen, die nicht vom Koalitionsvertrag gedeckt seien.

Solar auf dem Eigenheimdach vor dem Aus?

Sollte die Regierungskoalition diese Maßnahmen tatsächlich umsetzen, dürfte laut BSW die Errichtung neuer Solarstromanlagen auf privaten Gebäuden weitgehend zum Erliegen kommen. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov unter 1.048 Immobilienbesitzern im Auftrag des Solarverbands würden sich nur noch 40 Prozent der Befragten eine Dachanlage anschaffen, wenn die Förderung weitgehend oder ganz gestrichen würde.

Die Einschnitte treffen auf eine ohnehin in den letzten zwei Jahren stark rückläufige PV-Nachfrage im Heimsegment. Wurden 2023 noch PV-Dächer mit einer Leistung von rund 8 GW neu installiert , so waren es 2025 nur noch rund 5 GW.

„Die Abschaffung der EEG-Vergütung und der Zwang zur Direktvermarktung würden die Bürger-Energiewende zum Erliegen bringen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Die EEG-Einspeisevergütung sei für die Mehrzahl neuer Solaranlagenbetreiber immer noch zwingend notwendig, um eine hinreichende Rentabilität sicherzustellen. Ein Förderstopp für Solaranlagen widerspricht zudem dem Wählerwillen: Eine deutliche Mehrheit (rd. 78 %) der Bevölkerung wünscht sich, dass die Bundesregierung den Ausbau der Solarenergie beschleunigt oder auf aktuellem Niveau weiterführt. Unter Anhängern der Union sind es laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag des BSW-Solar sogar rund 86 Prozent.

Grafik zur Umfrage EEG-Förderung kleiner PV-Dachanlagen mit Tortendiagramm.
Repräsentativumfrage von yougov im Auftrag BSW Solar vom Oktober 2025. Alle Zahlen sind gerundet. – © BSW Solar/www.solarwirtschaft.de

Branche warnt vor Direktvermarktungspflicht

Die vom BMWE geplante Direktvermarktungspflicht für alle Solaranlagen hält Körnig für ähnlich gefährlich wie die geplanten Einschnitte bei der EEG-Förderung. Die dafür notwendigen Marktkommunikations-Prozesse würden von den Netzbetreibern noch nicht massengeschäftstauglich beherrscht. Auch fehlte es weiterhin nahezu flächendeckend am für die Direktvermarktung kleiner Solarstromanlagen notwendigen Einbau von Smart Meter. Eine zeitnahe Verpflichtung zur Direktvermarktung für kleine Solaranlagen lehnt die Solar- und Speicherbranche deshalb ab.

Dr. Verena Fluri vom Fraunhofer ISE und Autorin der im Februar 2026 veröffentlichen Studie zur Direktvermarktung von kleinen PV-Anlagen erklärt: „Unsere Studie zeigt, dass die Prozesse in der Direktvermarktung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht reif für eine großskalige Nutzung im PV-Eigenheimsegment sind. Ein Wechsel in die Direktvermarktung würde die Wirtschaftlichkeit von PV-Kleinanlagen deutlich verschlechtern und viele neue Anlagen unwirtschaftlich machen.“ Hier der Direkt-Link (PDF) zur Studie: Dezentrale PV als Säule der Energiewende – Analyse und Perspektiven für kleine Dachsolaranlagen

Da die Schaffung dieser Voraussetzungen noch mehrere Jahre benötigen werde, käme eine Verpflichtung zur Direktvermarktung kleiner PV-Anlagen faktisch einem weitgehenden Ausbaustopp gleich, so Körnig.

Große Protestwelle gegen Reiches Pläne

Seit Bekanntwerden des Leaks am Abend des 26. Februars 2026 steht CDU-Ministerin Reiche für das Förder-Aus kleiner Solaranlagen massiv in der Kritik. Nicht nur Verbände protestieren, auch der Koalitionspartner SPD ist nicht einverstanden. Hinzu kommen die Proteste von Verbänden und Umweltorganisationen zum Eckpunktepapier des neuen GMG. Die Si-Redaktion informiert unsere Leser in der folgenden Woche im Detail.

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