Die führenden Verbände der erneuerbaren Anlagentechnik, Gebäudehülle und Energieberatung haben der Regierungskoalition ein Gutachten für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) vorgelegt. Die Studie von ITG Dresden und FIW München zeigt, wie erneuerbare Heizsysteme und effiziente Gebäudehüllen gemeinsam Klimaziele technologieoffen erreichen können.

Anfang Februar verpasst die Bundesregierung immer noch die angekündigte Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Was schon für den Januar 2026 angekündigt war -das neue GMG – lässt auf sich warten. Anders als die Regierungskoalition sind sich die Experten einig: Ganzheitlich denken – Hülle und Technik zusammenbringen.
Flexibler und lösungsoffener Weg gefordert
Die Autoren des Gutachtens vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung (ITG) Dresden) und dem Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) München) zeigen einen flexiblen und lösungsoffenen Weg auf, der die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten, Wirtschaftswachstum und die Erreichung der Klimaschutzziele ermöglicht.
„Die Maßnahmen des aktuellen Gebäudeenergiegesetz bewirken je nach gewählter Technik eine CO2-Minderung von 50 bis 90 Prozent in einem typischen Bestandsgebäude. Der Ersatz einer veralteten durch eine effizientere, neue Gasheizung kann hingegen selbst unter Berücksichtigung geringfügiger Anteile von Biomethan keinen gleichwertigen Beitrag leisten,“ sagt Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz, Geschäftsführer des ITG Dresden.
Erfüllung der 65-Prozent-Vorgabe
Außerdem betrachteten die Gutachter die Hinzunahme von Ersatzmaßnahmen an der Gebäudehülle zur Erfüllung der derzeitigen 65-Prozent-Vorgabe:
„Zwischen erneuerbaren Heizsystemen und einer guten Gebäudehülle besteht kein Widerspruch – im Gegenteil. Effizienzmaßnahmen an der Gebäudehülle senken den Endenergieverbrauch und die Kosten deutlich. Zusätzlich verringern Sie die Strom Spitzenlast im Winter, stabilisieren damit das Netz und reduzieren den Bedarf an zusätzlicher Netzinfrastruktur“, so Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm, Leiter des FIW München.
„Die Koalition darf jetzt bei den Ambitionen nicht nachlassen“
Das sagt Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.: „Das reformierte Gebäudeenergiegesetz muss Verbrauchern auch zukünftig eine klare Orientierung geben, welche Wege zu einem zukunftssicheren Zuhause führen und welche Wege die Abhängigkeit von Gas und Öl vielmehr verschärfen. Wichtig ist, dass Hauseigentümer nicht im Vertrauen auf unhaltbare Versprechungen der Energiewirtschaft neue Gasheizungen installieren.“
Individuell sanieren
Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) e.V.: „Der deutsche Gebäudebestand ist energetisch sehr unterschiedlich, daher benötigt jede Immobilie eine individuelle Sanierungslösung. Und weiter: „Ob neue Heizung oder Gebäudehülle und in welcher Reihenfolge, das sollten die Eigentümer vor Ort mit den Energieberatern entscheiden. Die Wärmewende gelingt nur im Zusammenspiel aller Sanierungslösungen, darauf sollte sich das neue Gebäudemodernisierungsgesetz konzentrieren.“
„Die Senkung des Energiebedarfs muss zukünftig, neben der wichtigen CO2-Minderung, zu einem maßgeblichen Faktor werden. Würden Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle nun auch als alternative Lösung gleichwertig anerkannt, wäre dies ein echter Durchbruch. Dies trägt dem Wunsch der Bevölkerung Rechnung, Energie und damit auch Kosten zu sparen”, sagt Benjamin Weismann, Geschäftsführer des Energieberatendenverbands GIH.
Das Gutachten steht hier zum Download zur Verfügung.