SHK-Handwerker in der dena-Expertenliste? Energieberater dagegen

Ab Herbst sollen sich auch SHK-Fachunternehmen freiwillig in die Energieeffizienz-Expertenliste der dena eintragen lassen können. Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) sieht die geplante Öffnung wegen der Qualitätssicherung kritisch und fordert ein Berufsbild „Energieberater“.

Energieberater im Kundengespräch mit einem jungen Paar. Im Hintergrund Wärmepumpe
Verpflichtende Energieberatung für Fördermittelanträge: In der Energie-Effizienz-Expertenliste der dena sollen zukünftig auch SHK-Betriebe gelistet werden, nicht nur hauptberufliche Energieberater. – © dena/photothek, Ute Grabowsky

Die Energieeffizienz-Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) für Förderprogramme des Bundes ist ein bundesweites Verzeichnis für qualifizierte Fachkräfte für Energieberatung, nachhaltiges Bauen und Sanieren sowie für die Optimierung von Anlagen und Prozessen. Entsprechend ihrer nachgewiesenen Qualifikation können die Expertinnen und Experten die jeweiligen Förderprogramme des Bundes begleiten. Die dena formuliert und überprüft die notwendigen Fortbildungsverpflichtungen.

dena-Expertenliste bald für geschulte SHK-Handwerker geöffnet

Ab Herbst soll sich dabei aber Grundsätzliches ändern, so das Energieberater-Netzwerk DEN. Dann können sich auch Fachunternehmer aus dem SHK-Bereich – nach einer Fortbildung – freiwillig listen lassen.

„Dieses Vorgehen sehen wir mit Blick auf eine unabhängige Qualitätssicherung in der energetischen Fachplanung und Baubegleitung eher kritisch“, erklärt Jutta Maria Betz, Vorstand des DEN e. V.. „Und das liegt ausdrücklich nicht daran, dass wir fachliche Kompetenz von Handwerker und Handwerkerinnen in Frage stellen.“

Kritik an BEG und Öffnen der Expertenliste

Hintergrund für das Öffnen der Expertenliste sei eine Richtlinie in der Bundesförderung für Effiziente Gebäude (BEG) für das Abwickeln von Förderanträgen, so DEN. Sie gelte schon seit ein paar Jahren und sehe vor, dass SHK-Handwerker ohne das Hinzuziehen von unabhängigen Energieeffizienz-Expert/innen (EEE) Förderungen für Wärmeerzeuger beantragen können.

Jutta Maria Betz, Vorstand des DEN e. V

Dipl.Ing. Jutta Maria Betz, Vorstand des DEN e. V.
Damit ist Betz nicht einverstanden und verweist auf die „erheblichen Steuermittel, die hier bewegt werden.“ Steuermittel müssten transparent, fair und qualitätsgesichert eingesetzt werden. „Diese Prinzipien werden durch die BEG-Richtlinie untergraben. Der Fördermittelgeber hat hier das Vier-Augen-Prinzip gestrichen und damit die unabhängige Qualitätskontrolle faktisch außer Kraft gesetzt. „Bei vielen Projekten ist die Qualität der Heizungssanierung offensichtlich so schlecht, dass jetzt als erste Stufe eine freiwillige Eintragung in die Expertenliste erfolgen soll. Das DEN ist davon nicht überzeugt und fordert seit Jahren, dass auch beim Heizungstausch die Baubegleitung gefördert wird, genauso wie es die Richtlinie eigentlich vorsieht aber aus Kostengründen wird das nicht umgesetzt. Ein Trauerspiel.“

DEN gegen „Expertenliste light“

Eine Fortbildung für Fachunternehmer könne die entstandene Lücke nicht schließen, so Jutta M. Betz. Eine „Expertenliste light“ würde die Qualität beim Abwickeln von Förderanträgen verschlechtern. Es brauche neutrale Energieberater, betont die Ingenieurin, die das gesamte Gebäude in den Blick nehmen, Einzelmaßnahmen im Kontext denken. Eine Weiterbildung könne diese Perspektive wie auch das zweite Paar Augen nicht einfach so ersetzen.

Berufsbild „Energieberater“

Der Titel „Energieberater“ sei nach wie vor nicht geschützt sei. Das hätte die Regierung versäumt. Betz dazu: „Es ist schade, dass auch im Bundesumweltministerium der Mut fehlt, den entscheidenden Akteuren der Energie- und Wärmewende eine gute Arbeitsgrundlage zu geben. Ein Berufsbild würde viel leisten.“ Es definiert Tätigkeitsfeld, Einstiegsmöglichkeiten und Honorar von Energieberatenden, zeigt jungen Menschen einen direkten Weg in den Beruf, macht sichtbar, wie wichtig Energieeffizienzexperten sind – auch abseits von dem Auf- und Ab der Förderlandschaft. Es verhindert, dass unqualifizierte Menschen den Titel nutzen.

Die Expertenliste der dena könne ein rechtlich verankertes Berufsbild nicht ersetzen. Auf Länderebene gäbe es zudem eigene Sachverständigen-Definitionen, die zu Kleinstaaterei bei der Beurteilung von Wärmeschutz und Energieeffizienz im Gebäudebereich führen würden. Betz fordert deshalb ein Berufsbild für die Energieberater.

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