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Staubschutz auf der Baustelle

Staubschutzwand, Staubschutztür, Staubsauger oder Atemmaske – es gibt viele Möglichkeiten, sich bei der Arbeit vor ungesundem Staub zu schützen. Welches das Mittel der Wahl für einen optimalen Gesundheitsschutz ist, hängt von Einsatzort und von Staubart ab. Alle wichtigen Informationen zu diesem Thema, erklärt dieser Beitrag.

Bei den meisten handwerklichen Tätigkeiten auf dem Bau entsteht Staub. Dies war schon immer so und kaum jemand störte sich bisher daran. Mit dem Argument, das habe man schon immer so gemacht, werden häufig sinnvolle Verbesserungen zurückgewiesen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse deutlich zu mehr Gesundheitsschutz verändert. Denn inzwischen ist bekannt, wie gesundheitsschädlich Stäube sind. Bereits gewöhnlicher Baustaub wird als gesundheitsschädlich eingestuft, weil er fast immer Quarz und oft Hartholzstäube enthält. Ebenfalls wurden Vorschriften wie beispielsweise die neuen Grenzwerte für A-Stäube (TRGS 900) verschärft.

Baustellen-Staub: unterschätzte Gefahr für die Gesundheit

Welche Auswirkung die Stäube auf unsere Gesundheit haben, ist abhängig von der Art des Staubes, der Dauer und dem Umfang der Staubbelastung, vom Ort der Ablagerung in den Atemwegen und von der Teilchengröße (Grobstaub / Feinstaub). Kleinere Partikel gelangen als Schwebstaub in die Luft und benötigen eine relativ lange Zeitspanne, bis sie sich wieder abgesetzt haben. Je feiner die Partikel sind, desto länger bleiben sie in der Luft und umso gesundheitsschädlicher sind sie. Grobstaub bleibt überwiegend im Mund- und Rachenbereich hängen. Es ist der Feinstaub, der tief in die Lunge und die Lungenbläschen vordringt. In Folge wird der Körper viel schlechter mit Sauerstoff versorgt. Es kommt bereits bei einfachen Tätigkeiten zur Kurzatmigkeit. Auch Atemwegs- und Staublungen-Erkrankungen (Silikose), Asbestose und Krebserkrankungen können folgen. In einer 8-Stunden-Schicht gelangen circa 5.000 Liter in die Lungen. Werden große Staubmengen über einen sehr kurzen Zeitraum eingeatmet, ist dies besonders schädlich.

Staubfrei arbeiten

Nicht nur in den Betrieben findet ein Umdenken statt. Häufig ist es mittlerweile der Kunde, der auf eine staubarme Arbeitsweise Wert legt und dafür sogar bereit ist, mehr zu zahlen.

Staubvermeidung fängt bereits bei der Planung der Arbeit an. Können staubarme Arbeitsverfahren angewendet werden, wie beispielsweise eine Nassbearbeitung, so ist diesen Verfahren Vorrang zu gewähren. Bei staubenden Arbeitsverfahren muss der Staub möglichst nah an der Entstehungsstelle aufgefangen werden. Viele Werkzeuge werden bereits mit einer Anschlussmöglichkeit für Staubsauger angeboten. Alles, was sich relativ einfach am Gerät absaugen lässt, muss nicht mühselig aus der Raumluft gefiltert werden. Als Sauger kommen sogenannte Sicherheitssauger zum Einsatz. Bei Holz- und Baustäuben werden Sauger der Staubklasse M verwendet. Bei krebserregenden Stoffen, alter künstlicher Mineralfaser (KMF), Asbest und Schimmel werden Sauger der Klasse H verwendet. Neben der Staubabsaugung am Werkzeug können diese Sauger auch verwendet werden, um die Baustelle zu reinigen. Fegen ist heute wegen der dabei entstehenden Staubaufwirbelung nicht mehr erlaubt. 

Abgeschottet durch flexible Staubwände

Lassen sich die Werkstücke nicht ohne Staubfreisetzung bearbeiten, sollte der Arbeitsbereich zunächst auf das notwendige Minimum reduziert werden. Flexible Staubwände aus Baufolie und Teleskopstangen sind schnell und einfach aufgestellt. Sie begrenzen die Staubausbreitung auf einen kleinen Raum. Hierdurch lässt sich eine etwaige Absaugung mit deutlich geringerem Aufwand installieren. Zudem ist der Bereich, der endgereinigt werden muss, deutlich kleiner. Verschmutzungen in nicht betroffenen Räumen können ausgeschlossen werden. Das Besondere an den flexiblen Staubschutzwänden wie beispielsweise der Heywall sind die Teleskopstangen. Die Kopfplatten verfügen über Klemmvorrichtungen, welche die Baufolie halten und später an der Raumdecke fixieren. Die herunterhängende Folie wird unter den Stützenfüßen ein zweites Mal fixiert. Werden die Stangen in einem Abstand von circa 1,50 Meter aufgestellt und ausgerichtet, ergibt sich eine haltbare und undurchlässige Abschottung. Normale Zimmer lassen sich hierbei von einer einzelnen Person ohne Leiter, Latten oder Nägel in circa zehn Minuten abtrennen. Noch vorteilhafter erscheint die Staubschutzwand, wenn man die gesparte Zeit bei der Endreinigung mit berücksichtigt. Genau diesen Vorteil kann der Handwerker dem Kunden bei der Angebotsabgabe aber auch verkaufen, um diese Leistung abzurechnen.

Schritt für Schritt aufgebaut: die Staubwand

Rundum sorglos

Bei starker Staubfreisetzung und/oder bei Freisetzung von Gefahrstoffen ist der Arbeitsbereich zusätzlich ausreichend zu belüften. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass ungefilterte schadstoffhaltige Abluft nicht einfach nach außen geleitet werden kann.

Im günstigsten Fall ist es nur der Nachbar, der sich über ein verschmutztes Auto beschwert. Sind Gefahrstoffe mit im Spiel, dann drohen Strafen, wenn der Filter fehlt. Einfachste Möglichkeit bei der Filterung der Abluft sind Transportlüfter, die mit einem Kassettenfilter auf der Ansaugseite oder einem Staubsack auf der Ausblasseite versehen werden. Für beide Varianten werden M-Klasse Filter angeboten. Farbnebel kann zusätzlich mit einem Kassettenfilter abgesaugt werden. Wird eine Filterung nach Staubklasse H gefordert, dann kommen sogenannte Filterventilatoren zum Einsatz. Diese Geräte werden bei der Sanierung beispielsweise von alter KMF, Asbest oder Schimmelpilz eingesetzt. Im Unterschied zu den Transportventilatoren verfügen diese Geräte über viel feineres Filtermaterial, Filterwechselanzeigen und viel dichter schließende Gehäuse.

Luftwechselrate berücksichtigen

Filterventilatoren kommen allerdings auch bei normalen Baustäuben mit M-Klasse-Filtern zum Einsatz. Die BG Bau fördert die Anschaffung geprüfter Geräte, wenn sie über ein zweitstufiges Filtersystem und eine Filterwechselanzeige verfügen. Es muss sichergestellt sein, dass auch bei fast gesättigten Filtern noch genügend Filterwirkung verbleibt. Entsprechend wird bei Baustäuben eine 20-fache Luftwechselrate verlangt. Bei vielen anderen Schadstoffen reicht eine 6-8-fache Luftwechselrate. Das bedeutet, dass die Luftleistung des Gerätes bei eingesetztem Filtermaterial das Raumvolumen 6- beziehungsweise 8-mal umwälzen können muss. Auch hierfür ist es sinnvoll, das Raumvolumen durch Staubschutzwände möglichst klein zu halten. Ist der Bereich sehr groß, müssen mehrere Filterventilatoren gemeinsam betrieben werden.

Alternative für kleine Räume: Staubschutztüren

Bei kleineren Räumen können die Abschottungen durch sogenannte Staubschutztüren erfolgen, die in die Türzarge des Raumes montiert werden. Sie besitzen die nötigen Durchlässe und Befestigungsmöglichkeiten für Luftschläuche und bleiben für den Handwerker dennoch leicht durchgängig. Egal, für welche Art der Abschottung der Anwender sich entscheidet: Wichtig ist, dass die Absaugschläuche wiederum möglichst nah an das Werkstück herangeführt werden. Je dichter am Werkstück abgesaugt wird, desto weniger muss später durch Reinigung von den Oberflächen entfernt werden.

Sicher vor Baustellen-Staub geschützt

Fazit

Angesichts der Vorteile in den Bereichen Arbeitsschutz, Schutz der Bewohner und Sauberkeit der angrenzenden Räume, Sicherstellung des Sanierungsziels und dem guten Gefühl bei den Kunden ist der Zeit- und Kostenaufwand für fachgerechte Staubschutzmaßnahmen marginal. Werden diese fachgerechten Maßnahmen durch den Unternehmer richtig verkauft, steigern sie sogar den Ertrag und schaffen Vertrauen beim Auftraggeber.

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Arndt Lubrich, Seminarleiter bei der Heylo GmbH.

www.heylo.de

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