„Wir starten in eine neue Ära der Wärmepumpe“

Als Erlkönig getarnt – wie man es aus der Automobilbranche kennt – hat Viessmann auf den Frühjahrsmessen eine neue Wärmepumpe präsentiert. Am 20. Mai stellte Viessmann diese am Stammsitz in Allendorf/ Eder vor. Die Si-Redaktion war vor Ort und nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Dr. Conrad Wiedeler, Geschäftsführer der Viessmann Deutschland GmbH.

Dr. Conrad Wiedeler, Geschäftsführer Viessmann Deutschland GmbH.
Dr. Conrad Wiedeler, Geschäftsführer Viessmann Deutschland GmbH. – © Viessmann Climate Solutions,

Si: Vielen Dank für die Einladung hierher nach Allendorf/Eder. In Neugier darauf, was heute hier stattfinden wird, gleich einmal die Frage: Was hat es mit dem New-Era-Forum, mit der damit verbundenen neuen Ära und der Veranstaltung heute Abend hier vor Ort auf sich? Wird das Rätsel um den Erlkönig unter den Wärmepumpen aufgelöst?

Dr. Conrad Wiedeler: Traditionell bringen wir ja bei Viessmann gerne viele Innovationen auf den Markt. Dabei haben wir immer auf unsere Präsentation auf der ISH gesetzt. Doch aktuell haben wir so viele Innovationen im Gepäck, dass wir uns die Frage stellen mussten, ob wir wirklich bis zur nächsten ISH warten wollen, oder ob wir gleich in die Vollen gehen und in diesem Jahr bei uns hier nach Allendorf einladen? Und dann kam uns die Idee der “New Era”, auf die ich gleich noch zu sprechen komme. Dabei wollten wir Bestehendes mit neuen Elementen verbinden.

Si: Und kamen zu welcher Entscheidung?

Wiedeler: Ganz einfach, wir nehmen den Bestand, also den Hauptsitz hier in Allendorf, als das Herzstück von Viessmann Climate Solutions mit seiner Akademie und dem Infocenter und ergänzen es noch um ein neues Element, das zeitlich begrenzt aufgebaut wird. Das ist das New-Era-Forum, in dem wir unsere Innovationen während des Events zeigen. Das daraus entwickelte Erlebnis möchten wir gemeinsam mit unseren Fachpartnern teilen – im New-Era-Forum und in anderen Gebäuden hier vor Ort. Sie dürfen also auf den Abend gespannt sein.

Si: Bin ich. Genauso wie im letzten Jahr, als wir hier schon einmal zusammensaßen, um uns über die Herausforderungen in der Heizungsbranche zu unterhalten (Si 10/2025). Nutzen wir also die Gelegenheit, bevor wir auf die heutigen Themen zu sprechen kommen, einen Blick auf die aktuelle Lage zu werfen. Sind Sie zufrieden?

Wiedeler: Ich möchte es einmal so formulieren: Wir wittern Morgenluft! Wenn wir kurz zurückschauen: Auf das Hoch im Jahr 2023 folgten in 2024 und 2025 ein 15-Jahres-Markttief. Das hat der Branche wehgetan, das hat auch uns wehgetan. Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es sich wieder zum Positiven dreht. Und gerade im Bereich der Wärmepumpe geht es richtig vorwärts. Darauf haben wir uns auch strategisch eingestellt. Es freut uns also, dass es in diese Richtung weitergeht.

Denn zum aktuellen Jahresstart macht die Wärmepumpe wieder die Hälfte des gesamten deutschen Wärmeerzeugermarktes aus. Und damit ist die Wärmepumpe – Stichwort neue Ära – zum Standardprodukt geworden! Wir werden es heute Abend auf ein, zwei Präsentationsbildern sehen.

Si-Redakteur Marcus Lauster im Gespräch mit Dr. Conrad Wiedeler (v. l.).
Si-Redakteur Marcus Lauster im Gespräch mit Dr. Conrad Wiedeler (v. l.). – © Viessmann Climate Solutions,

2015, da lagen wir irgendwo bei 8 Prozent Anteil der Wärmepumpe. Das ist gerade mal eine Dekade her. Und selbst im Rekordjahr 2023 waren es nur 27 Prozent. Und jetzt sind wir bei fast 50 Prozent. Und in dieser neuen Ära, in der die Wärmepumpe nicht das einzige, aber das Hauptprodukt in der Heizungstechnik sein wird, in der müssen wir einige Dinge anders machen als bisher. Was das ist, zeigen wir heute im Rahmen der Veranstaltung.

Si: Aber darüber reden können wir schon.

Wiedeler: Aber sicher.

Si: Geht es hier und heute um eine neue Wärmepumpe oder gar um eine ganze Generation?

Wiedeler: Lassen Sie mich das so erklären: In der vorhergegangenen Ära war das Gaswandgerät das Standardprodukt. Da ist man auch nicht mit einem Modell ausgekommen. Es gibt eine 300er-Serie, und es gibt eine 200er-Serie. Damit kann man für die verschiedenen Bedürfnisse und auch Geldbeutel verschiedene Lösungen anbieten.

» In der neuen Ära ist die Wärmepumpe das Standardprodukt. «

Wir als Viessmann haben unseren zweifachen Stiftung-Warentest-Testsieger: die Luft-/Wasser-Wärmepumpe Vitocal 250-A.Diese Wärmepumpe ist unser Flaggschiff. Was uns aber bisher fehlte, war ein Produkt für die neue Ära, für Anwendungsfälle, in denen nicht das absolute High-End-Gerät gefragt ist, aber trotzdem bewährte Viessmann-Qualität. Diese Ära haben wir mit der neuen Vitocal 200-A intelligent energy, also intelligente Energie, abgekürzt ie, ins Leben gerufen.

Sie ist also nicht der Nachfolger der 250-A, sondern sie ist der erste Schritt in das 200er-Segment, wie man es vom Gas-Brennwertgerät Vitodens 200 kennt. Und in der Klasse darüber werden wir die 250-A in Richtung einer 300-A weiterentwickeln.

Si: Es geht also um weit mehr als nur ein Einzelgerät.

Wiedeler: Ja, wir sprechen nicht nur über ein einzelnes neues Produkt oder eine neue Generation, sondern über eine neue Segmentierung. Zum einen entwickeln wir das Top-Segment, das man von der Wärmepumpe 250-A kennt, bis 2027 zur 300er-Serie weiter. Zum anderen bauen wir das 200er-Segment als Volumensegment aus. Dabei stellen wir sicher, dass Kunden auch in diesem Segment das bewährte Viessmann-System erhalten – aber eben zu einem günstigeren Preis mit klarer Differenzierung im Vergleich zur 300er-Serie.

Dr. Conrad Wiedeler bei der Präsentation einer der im Interview genannten Folien im Rahmen der Abendveranstaltung im New-Era-Forum.
Dr. Conrad Wiedeler bei der Präsentation einer der im Interview genannten Folien im Rahmen der Abendveranstaltung im New-Era-Forum. – © Si/ml

Si: Die neue Wärmepumpe haben Sie als Erlkönig getarnt auf den Frühjahrsmessen präsentiert. Konnten Sie damit die Neugier des Fachpublikums wecken?

Wiedeler: In der Tat waren die Frühjahrsmessen in Essen und Nürnberg für die ganze Branche ein großer Erfolg. Das war auch bei uns so – und insbesondere am Messestand um den Erlkönig herum.

Mit diesem konnten wir große Neugier wecken.Dennoch konnten wir da noch nicht alles zeigen. Heute auf dem Event zeigen wir mehr. Dazu haben wir Fachpartner eingeladen, und heute Abend ist dann die Gelegenheit, sich die neue Wärmepumpe anzuschauen.

Si: Sie sprechen von einer Wärmepumpenplattform. Welchen Vorteil haben Sie bzw. das Handwerk durch dieses Plattform-Prinzip?

Wiedeler: Das Plattform-Prinzip kennt man von Viessmann schon lange. Ich erinnere da an das Vitotec-Programm. Diesen Plattform-Gedanken haben wir stets hochgehalten. Und auch die Idee von einem integrierten Lösungsangebot hatten wir schon 2017.

Das Angebot haben wir mit der Viessmann-OneBase-Einführung 2019 schrittweise weiterentwickelt und auch ein Energiemanagement integriert. Die Idee einer Plattform zeigt sich also in vielen Punkten. Ich würde meine Gedanken dazu einmal näher beschreiben.

Si: Sehr gerne.

Wiedeler: Gut, wir brauchen in dem, was wir als neue Ära beschreiben, einen Ansatz, der die Wärmepumpe dauerhaft auf einen Marktanteil von über 50 Prozent heben kann. Dabei sehen wir die Installationszeit aktuell als das größte Nadelöhr. Aus der Zeit der Gaswandgeräte wissen wir, dass eine Installation in ein bis zwei Tagen erledigt ist, und das auf einem qualitativ hochwertigen Niveau. Bei der Installation einer Wärmepumpe liegen wir – wie wir aus unseren Befragungen mit unseren Fachpartnern sehen – im Schnitt bei fünf Tagen.

Aktuell gibt es rund zehn Millionen Wärmeerzeuger, die 20 Jahre und älter sind. Das heißt, es wird an sich schon sehr lange dauern, diese gegen Neugeräte auszutauschen. Wenn wir aber davon ausgehen, dass diese standardmäßig durch eine Wärmepumpe ersetzt werden sollen und dafür jeweils fünf Tage Installationszeit ansetzen, erzeugen wir einen Sanierungsstau, der quasi ins Unendliche geht. Und deswegen arbeiten wir tagtäglich daran, die Installationszeit zu reduzieren und dabei qualitativ hochwertig zu bleiben.

» Es geht uns darum, einen einfachen Weg für das Fachhandwerk und mit dem Fachhandwerk zu schaffen, von den fünf Tagen im Schnitt unter drei Tage zu kommen. «

Es gibt zwar durchaus Betriebe, die bereits gut aufgestellt sind und nur zwei, zweieinhalb oder drei Tage für die Installation einer Wärmepumpe benötigen. Aber wir haben auch noch viele, die noch nicht so weit sind. Diese Herausforderung für die Branche, für das Fachhandwerk, für uns alle müssen wir annehmen, um die Wärmewende im Gebäude umsetzen zu können.

Das New-Era-Forum wurde für die Präsentation der Vitocal 200-A ie vor dem Hauptgebäude der Viessmann- Zentrale in Allendorf/Eder aufgebaut.
Das New-Era-Forum wurde für die Präsentation der Vitocal 200-A ie vor dem Hauptgebäude der Viessmann-Zentrale in Allendorf/Eder aufgebaut.

Si: Lassen Sie uns einen Blick auf die Technik werfen. Ich weiß aus eigener Anschauung, dass Sie mit Ihrem Akustiklabor sehr gut aufgestellt sind. Gab es bei der Neuentwicklung noch akustische Verbesserungsmöglichkeiten?

Wiedeler: Nun, wir sind stetig mit der Schalloptimierung beschäftigt. Einschränkend muss man allerdings sagen, wer das Premium-Produkt kauft, der wird immer eine etwas bessere Schalloptimierung haben als der, der sich in Richtung 200er-Segment orientiert. Das ist auch normal: Wenn ich etwas höherwertiges einkaufe, werde ich etwas Höherwertiges bekommen. Wir werden aber auf jeden Fall auch mit der 200er-Serie sehr gute Werte vorweisen können, wenn es um Lautstärke, Effizienz usw. geht. Wir bewegen uns selbstverständlich innerhalb aller Förder- und Schallanforderungen. Und die sind bekanntlich seit diesem Jahr deutlich strenger geregelt.

Ein weiterer Punkt ist die Psychoakustik – also das, was man zu hören meint, weil man sieht, wie sich der Ventilator dreht. Entscheidend ist der Unterschied zwischen dem, was tatsächlich hörbar ist, und dem, was subjektiv so wahrgenommen wird. Deshalb haben wir die bewährten Designprinzipien der Psychoakustik auch auf die Segmentvariante der 200er-Serie übertragen, wie Sie heute Abend sehen werden.

Si: Wobei ja die Aufstellung einen Einfluss darauf hat, wie geräuschintensiv ein Gerät im realen Betrieb ist.

Wiedeler: Auch das gehört dazu. Aber wir beschränken uns auf das, was wir kontrollieren können, um dort besser zu werden. Um aber das Stichwort ‚Aufstellbedingungen‘ gleich aufzugreifen: Wir arbeiten aktuell daran, die Mindestabstände eine erhebliche Stufe zu reduzieren.

Si: Das heißt, sie setzen auf Propan als Kältemittel?

Wiedeler: Ja, es ist Propan im Zusammenspiel mit unseren bewährten Sicherheitsvorkehrungen.

Si: Und es gibt weitere Neuerungen?

Wiedeler: Wir haben nicht nur an der Außeneinheit gearbeitet, sodass sie toll aussieht und ins Viessmann-Design passt, sondern wir machen in der von uns angekündigten neuen Ära weitere wichtige Schritte.

» So verlagern wir den Heizstab und die Heizkreispumpe in die Außeneinheit. Dadurch sparen wir im Gebäude erheblich Platz. «

Wir machen damit dem Fachhandwerk mehrere Angebote, flexibler zu installieren, dabei aber immer mit derselben Plattform unterwegs zu sein. Da der Pufferspeicher meist ohnehin separat aufgestellt wird, wird im Inneren des Gebäudes eigentlich nur noch die elektrische Regelung benötigt. Dafür haben wir den ‚Universal Controller intelligent energy‘ entwickelt. Dieser universelle Controller hängt künftig als elegante Mini-Inneneinheit an der Wand. Diese Lösung wird auch preislich sehr attraktiv sein.

Die Wärmepumpe Vitocal 200-A ie bei der Präsentation auf dem New-Era-Forum in Allendorf.
Die Wärmepumpe Vitocal 200-A ie bei der Präsentation auf dem New-Era-Forum in Allendorf. – © Si/ml

Mit dem Plattformgedanken werden wir weiterhin auch unsere bewährten Inneneinheiten anbieten, und zwar in den bekannten Varianten Compact, Modular, Comfort und Hybrid. Ergänzend wird der ‚Universal Controller ie‘, der als reine Regelungsplattform in Kombination mit der Vitocal 200-A ie eingesetzt werden kann oder unabhängig von einer Wärmepumpe zur Einbindung von Fremdfabrikaten.

Die Intelligenz unseres gesamten Wärmepumpensystems ist also zukünftig zentral in den Inneneinheiten bzw. dem Universal Controller ie platziert, wodurch wir Systemintegrationen deutlich vereinfacht wird.

Si: Sie gehen aber noch weiter?

Wiedeler: Ja, wir werden unsere One Base Intelligence in den Markt bringen. Damit heben wir Viessmann One Base auf das nächste Level. Und wir werden uns davon verabschieden, in allen einzelnen Teilnehmern des Systems ein Steuergerät einzubauen. Wir haben künftig ein zentrales Steuergerät, das sich im Universal Controller ie oder in der Inneneinheit befindet. Das zentrale Steuergerät wird alles in Echtzeit zusammenbringen, was man braucht, um ein Energiemanagement betreiben zu können und so die Regelung in ein neues Zeitalter zu überführen.

Dadurch können wir zum Beispiel mit einem Universal Controller ie jetzt auch vierfach kaskadieren. In der Vergangenheit wurden vier Inneneinheiten benötigt, jetzt braucht es nun noch den Universal Controller ie. Das ist ein Kosten- und ein Zeittreiber. Mit der neuen Lösung werden wir schneller in der Installation, und wir haben ja bereits im Gespräch festgestellt, dass wir schneller werden müssen. Zudem werden wir auch ein bisschen günstiger. Da wir gleichzeitig in Zusammenarbeit mit dem Fachhandwerk mehr Stückzahlen in den Markt bringen wollen, können wir wieder nahtlos an die alte Welt mit ihrer kurzen Installationszeit anknüpfen, und das bei einer Topqualität.

Si: In welchen Leistungsbereichen wird die Serie verfügbar sein?

Wiedeler: Wir werden die Vitocal 200-A ie im September zunächst mit 6, 8, 10 und 12 kW auf den Markt bringen. Im September 2027 wollen wir dann mit 13 und 16 kW nachlegen. Die 19-kW-Variante bleibt dem Premium-Segment vorbehalten, also der 250er-Serie, die wir perspektivisch zur 300er-Serie weiterentwickeln werden.

Si: Wie ist die Preispositionierung im Vergleich zur Vorgängergeneration und zum Wettbewerb?

Wiedeler: Es wird ein gutes Stück unter der Vitocal 250-A liegen. Man kann sich dabei gedanklich – wie bereits erwähnt – an der Vitodens-Welt mit den 200er- und 300er-Geräten orientieren. Das heißt sie werden tatsächlich günstiger, aber es sind immer noch Viessmann-Geräte in Viessmann-Qualität. Wo Viessmann draufsteht, ist auch Viessmann drin.

Si: Konnten sie, um das Ziel einer schnelleren Installation zu verwirklichen, weitere typische Fehlerquellen bei der Installation eliminieren?

Wiedeler: In Zukunft muss es, wie gesagt, einfacher, schneller und dennoch fehlerfrei zugehen. Dafür tragen wir als Hersteller unseren Teil bei. Wir haben also schon bei der neuen Inneneinheit der 250er geschaut, dass wir zum Beispiel Elektrozuleitungen und Hydraulikleitungen besser voneinander abgrenzen und so das Installieren erleichtern. Der Influencer Bruno Friedmann hat mir bei der Vorstellung im letzten Oktober dazu gesagt: „Mensch, das ist echt eine coole Innovation. Warum habt ihr das nicht vorher gemacht?“

Die Wärmepumpe Vitocal 200-A ie bei der Präsentation auf dem New-Era-Forum in Allendorf.
Die Wärmepumpe Vitocal 200-A ie bei der Präsentation auf dem New-Era-Forum in Allendorf. – © Si/ml

Es braucht einfach Zeit, um die beste Lösung zu entwickeln. Genau deshalb versuchen wir bei allen unseren Entwicklungen Fachpartner im Boot zu haben und ihr Feedback frühzeitig einfließen zu lassen. Das heißt, auch die gesamte neue Generation bzw. das neue Segment, von dem wir heute reden, ist in sehr enger Zusammenarbeit mit Fachpartnern entstanden.

Si: Bei meinem Standrundgang auf dem Viessmann-Messestand im Frühjahr hieß es, grundsätzlich sei alles im Energiemanagementsystem (EMS) vernetzbar. Wie passt da die neue Wärmepumpengeneration ins Konzept?

Wiedeler: Auch sie wird komplett dort einzubetten sein. Denn das ist generell der Weg, den wir eingeschlagen haben. Dabei werden wir deutlich flexibler und offener. Denn wir haben zwar einen sehr großen Bestand an Viessmann-Geräten im Markt, aber eben auch Wärmeerzeuger anderer Hersteller. Wenn wir dann noch die Integration aus den verschiedensten Bereichen anstreben – PV, Wechselrichter, fossil betriebene Wärmeerzeuger, Wärmepumpen –, müssen wir zwangsläufig offener werden.

Mit dem Universal Controller ie und der neuen One Base Intelligence öffnen wir uns daher ein Stück weit mehr, um auch Fremdfabrikate einbindenzu können. In Zukunft werden wir auch EEBus, KNX, Modbus- TCP, und selbstverständlich weiterhin die API-Cloud, einbinden. Die Idee dahinter ist, dass eine Lösung nicht daran scheitern soll, dass wir uns nicht mit Geräten anderer Hersteller verbinden können. Das ist ein Stück weit neu. Und das werden wir bis zur ISH 2027 dann auch vollständig umgesetzt haben.

Si: Das klingt in der Tat sehr gut.

Wiedeler: Deswegen stellen wir auch nicht nur eine neue Wärmepumpe oder eine neue Außeneinheit vor. Letztlich ist alles zusammengenommen ein großer Wurf, an dem wir seit drei, vier Jahren gearbeitet haben – eben eine neue Ära.

Si: Wie sieht dann das Zusammenspiel mit PV-Anlage, Speicher und Wallbox in der Praxis konkret aus?

Wiedeler: Wir haben ja bereits Wallboxen im Programm, die mit PV und Wechselrichter in unserem Energiemanagementsystem mitspielen können. Wir werden mit Blick auf die ISH 2027 auch unsere Klimageräte, als Viessmann-Klimageräte powered by Carrier, mit in die Viessmann One Base Intelligence bringen. Wenn ich im Sommer viel PV-Strom habe und Stromund Pufferspeicher geladen sind, kann ich mit dem überschüssigen Strom aus der PV-Anlage auch die Klimaanlage betreiben. Das heißt, die ganzen Komponenten lassen sich zusammen orchestrieren.

Si: Wie profitiert das Handwerk von dieser Vernetzung hin zu einem System? Etwa bei Ferndiagnose und vorausschauender Wartung?

Wiedeler: Nun, wir werden auch im Service in eine neue Ära kommen. Diese Ära wird von immer weniger Fachkräften und immer anspruchsvolleren Endkunden geprägt sein.

Nach der Präsentation der Wärmepumpe bestand die Möglichkeit, sich bis spät am Abend über die Neuerungen zu informieren und diese mit Viessmann-Mitarbeitern zu diskutieren.
Nach der Präsentation der Wärmepumpe bestand die Möglichkeit, sich bis spät am Abend über die Neuerungen zu informieren und diese mit Viessmann-Mitarbeitern zu diskutieren. – © Si/ml

» Wir sind daher überzeugt, dass der Service in Zukunft proaktiv sein muss. «

Ein Kunde will ja auch nicht erst mit dem Auto fahren, dann liegen bleiben, anrufen und frustriert um Hilfe bitten müssen, sondern er will rechtzeitig wissen, dass ein Problem auf ihn zukommen wird und wie er das umgehen bzw. lösen kann.

Das heißt übersetzt auf unsere Situation, dass wir das Handwerk in die Lage versetzen, weniger Kaltanlagen zu haben und damit weniger frustrierte Kunden. Denn über die Software und die dort aufgenommenen Daten können wir in Echtzeit sehen, was eine Heizungsanlage macht und wann es zu Problemen kommt. Mit der Viessmann-Anwendung ViGuide kann der Handwerker die gesamte aufgeschaltete Anlagenbasis sehen. Aber er braucht im Moment noch jemanden im Büro, der auf den Monitor schaut und Anomalien erkennt.

Mit unserem Leitwartenservice wollen wir daher ergänzend weitere Entlastung ins Handwerk bringen. Mit diesem nehmen wir ihm die Aufgabe ab, aus der Ferne auf die Anlage zu schauen. Tritt dann ein Problem mit der Anlage beim Kunden auf, hat er zwei Möglichkeiten:

  • Der Handwerker kann sich entscheiden, informiert zu werden, und ruft dann den Endkunden an und kümmert sich
  • oder aber, auch das sehen wir hin und wieder, das Handwerk möchte eigentlich nur Anlagen verbauen und im Service weniger aktiv sein. Dann übernehmen wir dies für den Handwerksbetrieb und informieren den Endkunden, wie er das Problem abstellen kann.

So lassen wir dem Fachhandwerk die volle Entscheidungsfreiheit, weil wir wissen, dass es nicht die eine Standardlösung gibt. Im Gegenteil, die Handwerksbetriebe sind sehr vielfältig aufgestellt und haben verschiedene Ansprüche. Und wir als Marktführer müssen für all diese Ansprüche eine Lösung zur Verfügung stellen.

Si: Wenn Sie als Fazit unseres Gesprächs nur drei Argumente nennen dürften, mit denen ein Installateur seinem Kunden die neue Gerätegeneration verkaufen soll – welche wären das?

Wiedeler: Das ist die bewährte Viessmann-Qualität auf einem sehr attraktiven Preisniveau und mit einer sehr, sehr guten Rundumerfahrung, weil die Geräte einfach und fehlerfrei installiert werden können. Und danach können sie über unsere modernen Service-Technologien und Software gut in der Betreuung mit dem Fachhandwerk gemeinsam betrieben werden – und zwar für die nächsten Jahrzehnte, ganz so, wie man es von Viessmann kennt.

Si: Vielen Dank!

Das Interview ist in der Si 6-7/2025 erschienen.