Zur Ökologie und Ökonomie von Heizsystemen

Die Wärmewende im Ein- und Zweifamilienhaus tritt aktuell auf der Stelle. Ist es möglich, zugleich umweltbewusst und günstig zu
heizen? Was treibt die Menschen um? Und was erwarten sie vom Handwerker ihres Vertrauens? Eine repräsentative Befragung
von Buderus in Abstimmung mit der Si-Redaktion unter 2.500 Personen, die im eigenen Haus leben, gibt einen Einblick in die Entscheidungswege.

Ökologie und Ökonomie von Heizsystemen: Dass umweltbewusst und gleichzeitig günstig geheizt werden kann, hält knapp die Hälfte der Befragten für möglich.
Dass umweltbewusst und gleichzeitig günstig geheizt werden kann, hält knapp die Hälfte der Befragten für möglich. Gut ein Drittel stimmen dem nicht zu. – © Civey für Buderus

Ist es möglich, zugleich umweltbewusst und günstig zu heizen? Diese Frage stand am Anfang einer Umfrage unter 2.500 Eigenheimbesitzern, also Personen, die eigenverantwortlich über die Wahl ihrer Wärmeerzeuger entscheiden können. Als Impuls für diese Befragung stand eine erste Befragung durch Buderus. Die Resultate einer nun zweiten Befragung, die Buderus gemeinsam mit der Si-Redaktion auf den Weg gebracht hat, bringen weitere interessante Ergebnisse zutage. Sie zeigen aber auch, dass es gar nicht so einfach ist, die eine Lösung für alle zu empfehlen.

Bei der Wärmeerzeugung liegt die Gasheizung mit gut 50 % vor der Ölheizung mit knapp 20 % und der Wärmepumpe mit 9,6 %. Auf Platz 4 folgt die Holzheizung mit 7,3 %.
Bild 2: Bei der Wärmeerzeugung liegt die Gasheizung mit gut 50 % vor der Ölheizung mit knapp 20 % und der Wärmepumpe mit 9,6 %. Auf Platz 4 folgt die Holzheizung mit 7,3 %. – © Civey für Buderus

Und gleich hier zeigte sich, dass zwar immerhin knapp die Hälfte der Befragten die Eingangsfrage (Bild 1) mit einem mehr oder minder deutlichen Ja beantworten, immerhin aber auch mehr als ein Drittel diese Aussage verneint.

Ausgewertet nach Bundesländern gibt es die größte Zustimmung in Berlin mit 56,8 %, gefolgt von Baden-Württemberg mit 50,9 %. Die größte Ablehnung der Aussage gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mit 47,2 %, gefolgt von Brandenburg mit 46,4 %. Auffallend ist dabei die große Zahl der Personen, die mit einem Unentschieden antworten. Diese liegt zwischen 12,8 % in Bayern und 25,1 % in Brandenburg.

Dazu muss betrachtet werden, dass aktuell 72,1 % der Befragten und damit knapp ein Drittel mit Öl oder Gas heizen (Bild 2). Rund 11,3 % heizen mit einer Wärmepumpe oder einem Wärmepumpen-Hybridsystem. Hier liegen Hessen mit 12,6 % und Baden-Württemberg mit 12,3 % vor Hamburg mit 10,5 % auf den ersten drei Plätzen.

Generell zeigen sich 85,9 % der Befragten mit ihren Heizsystemen zufrieden. Die Werte bei Wärmepumpen, Fernwärme, Wärmepumpen-Hybridsysteme und Holzheizungen liegen über dem Durchschnitt.
Bild 3: Generell zeigen sich 85,9 % der Befragten mit ihren Heizsystemen zufrieden. Die Werte bei Wärmepumpen, Fernwärme, Wärmepumpen-Hybridsysteme und Holzheizungen liegen über dem Durchschnitt. – © Civey für Buderus

Bereit zum Wechsel des Heizungssystems?

Für einen Wechsel zu einem neuen Heizsystem braucht es gute Argumente, das zeigen die Gründe unter den Befragten allgemein.
Bild 4: Für einen Wechsel zu einem neuen Heizsystem braucht es gute Argumente, das zeigen die Gründe unter den Befragten allgemein. – © Civey für Buderus

Für einen Wechsel des Energieträgers für die eigene Wärmeversorgung bedarf es eines gewissen Willens zur Veränderung. Hier spielt die Zufriedenheit mit dem bestehenden Wärmeerzeuger eine wichtige Rolle (Bild 3). Gar nicht zufrieden mit ihrem System sind rund 2,3 % der befragten Eigenheimbesitzer. Auffallend dabei ist, dass die größte Quote an unzufriedenen Nutzern mit 16,5 % Personen sind, die keines der abgefragten Systeme Öl-, Gas-, Holz-, Elektro-, Fernwärme- oder Wärmepumpen-System nutzen.

In dieser Gruppe befinden sich allerdings auch mit 79,3 % Personen mit den dritthöchsten Zufriedenheitswerten. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass einerseits Nutzer von alten Kohleheizungen ebenso darunter zu finden sind, wie Personen, die auf reine Solarthermie- und Photovoltaik-Lösungen setzen.

An zweiter und dritter Stelle der unzufriedenen Nutzer mit dem vorhandenen System sind Personen mit einer vorhandenen Elektroheizung (10,5 %) und einer Ölheizung (9,3 %). Am wenigsten unzufrieden sind die Nutzer eines Wärmepumpen-Hybridsystems mit 0,1 %. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass auch nur 1,7 % der Befragten bisher ein solches System aktuell im Einsatz haben. „Sehr zufrieden“ zeigen sich dann auch Besitzer einer Wärmepumpe mit 77,3 %, vor denen mit einem Wärmepumpen-Hybridsystem mit 67,1 %.

Im Schnitt liegt die Zustimmung zum vorhandenen Heizsystem mit der Zustimmung „Sehr zufrieden“ und „Eher zufrieden“ bei 85,9 %. Hier liegen die Besitzer von Wärmepumpen mit 95,2 % vor den Nutzern von Fernwärme mit 91,8 % und Besitzern vor Wärmepumpen-Hybridsystemen mit 91,7 % nicht weit auseinander. Doch auch bei Nutzern einer Holzheizung mit 87,9 % und einer Gasheizung mit 87,5 % Zufriedenheit müssen gute Argumente gefunden werden, um einen Systemwechsel bei den Wärmeerzeugern anzustoßen.

Gründe für einen Wechsel des Heizungssystems

Ökologie und Ökonomie von Heizsystemen müssen miteinander im Einklang stehen, um zukunftsfähig zu sein.
Für einen Wechsel zu einem neuen Heizsystem braucht es gute Argumente, das zeigen die Gründe unter den Befragten, die sich bereits ein neues Heizsystem angeschafft haben. – © Civey für Buderus
Wichtig bei einer Beratung von Endkunden sind zukunftssichere Lösungen mit niedrigen Energiekosten. Denn diese beiden Punkte sind den Befragten am wichtigsten.
Bild 6: Wichtig bei einer Beratung von Endkunden sind zukunftssichere Lösungen mit niedrigen Energiekosten. Denn diese beiden Punkte sind den Befragten am wichtigsten. – © Civey für Buderus

Um Hausbesitzer zu einem Wechsel des vorhandenen Heizungssystems zu motivieren, braucht es gute Argumente. Das zeigen die Auswertungen der Befragten im Allgemeinen, aber auch unter denen, die sich bereits für ein neues System entschieden haben (Bild 4 und Bild 5). Als die drei wichtigsten Argumente zeigen sich in beiden Fällen niedrige Energiekosten im Betrieb vor einem günstigen Anschaffungspreis und einer möglichst großen Zukunftssicherheit. Eine umweltschonende Betriebsweise liegt erst an vierter Stelle. Die Fördermittel kommen sogar erst auf Platz 5.

Tipps für die passende Empfehlung

Eine weitaus geringere Rolle spielt die Empfehlung des Heizungsbauers. Immerhin waren für 11,8 % der Hausbesitzer mit einem neuen Heizsystem die Empfehlung des Heizungsinstallateurs mit am ehesten ausschlaggebend für die Entscheidung.

Kommt nun der Heizungsbauer dazu, eine Empfehlung aussprechen zu dürfen, liegen folgende Aspekte im Interesse des Kunden (Bild 6): So wünschen sich Eigenheimbesitzer mit 54,4 % an erster Stelle eine Lösung mit niedrigen Betriebskosten. An zweiter Stelle liegt eine zukunftssichere Lösung mit 43,8 %. Dabei hängen beide Fragen eng miteinander zusammen. Hier ist der Energiemarkt gefragt.

Die politischen Rahmenbedingungen könnten dazu beitragen, langfristig für stabile Energiepreise zu sorgen. Verlässlichkeit ist gefragt. Denn erst an dritter Stelle liegen niedrige Anschaffungskosten mit 38,9 %. Es folgt die Beratung zu Fördermöglichkeiten mit 27,0 %, die damit keineswegs außer Acht gelassen werden sollte. Auf Position vier folgt die Offenheit für alle Heizungsarten mit 25,2 % und auf Platz fünf die umweltschonenste Lösung mit 23,5 %.

Die eigenen Kompetenzen betonen

Zwar sind die Befragten Eigenheimbesitzer überwiegend mit dem Heizungsfachbetrieb ihrer Wahl zufrieden, doch gibt es auch noch Verbesserungsmöglichkeiten.
Bild 7: Zwar sind die Befragten Eigenheimbesitzer überwiegend mit dem Heizungsfachbetrieb ihrer Wahl zufrieden, doch gibt es auch noch Verbesserungsmöglichkeiten. – © Civey für Buderus

Um als Heizungsfachbetrieb bei den Endkunden mit der eigenen Beratungs- und Ausführungskompetenz zu glänzen, gibt es einige Punkte, die durchaus Beachtung verdienen können. Zwar sind gut zwei Drittel der Befragten, konkret 68,9 %, sehr oder eher zufrieden mit ihrem aktuellen Heizungsfachbetrieb, doch sehen sich auch 18,2 % an keinen Heizungsfachbetrieb gebunden und 12,9 % zeigen sich eher oder sogar sehr unzufrieden (Bild 7). Auffallend an der weiteren Befragung ist jedoch, dass rund 23,0 % keine konkreten Verbesserungsvorschläge parat haben. Es handelt sich in diesen Fällen wohl mehr um eine gefühlte Unzufriedenheit.

Optimierung des eigenen Betriebs

Verbesserungsmöglichkeiten sehen Eigenheimbesitzer auf Seiten der Heizungsbetriebe u. a. bei Kundeservice und Wartung.
Bild 8: Verbesserungsmöglichkeiten sehen Eigenheimbesitzer auf Seiten der Heizungsbetriebe u. a. bei Kundeservice und Wartung. – © Civey für Buderus

Doch gibt es auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten für Heizungsfachbetriebe (Bild 8). So sehen die Befragten mit 19,6 % im Bereich Kundenservice und Wartung Möglichkeiten zur Verbesserung. An zweiter Stelle liegt die Geschwindigkeit bei der Behebung einer Störung. Hier könnte eine bessere Digitalisierung der eigenen Prozesse zu mehr Effizienz führen, ohne gleich einen Servicetechniker einstellen zu müssen. Denn der Fachkräftemangel ist aus Kundensicht ein Problem des Heizungsfachbetriebes.

An dritter Stelle steht die Beratung zu unterschiedlichen Heizungsarten vor der Beratung zur Förderung. Die eigene Beratungskompetenz ausbauen, wäre hier eine Möglichkeit, den Kundenwünschen entgegenzukommen. An fünfter Stelle wird noch die Erreichbarkeit per Telefon und E-Mail angemahnt. Hier kann die Digitalisierung auch noch einmal durchaus einen Schub bringen.

Letztlich zeigt sich bei den Verbesserungspotenzialen deutlich, dass es keine gravierenden Probleme sind, die die Kunden mit ihren Heizungsfachbetrieben haben. Doch sollten die Möglichkeiten zur Optimierung durchaus als sinnvolle Anregung aufgefasst werden.

Ergebnisse und Interpretation

Eine Umfrage kann in ihrer Kürze nicht alle Fragen beantworten. Doch können Umfrageergebnisse, insbesondere wenn sie als repräsentativ zu bewerten sind, durchaus einen wichtigen Fingerzeig geben. So gilt es den Kunden und seine Bedürfnisse beim Angebot des Wärmeerzeugers ebenso in den Blick zu nehmen wie das Gebäude und dessen technische Voraussetzungen für den passenden zukünftigen Wärmeerzeuger.

Dabei spielen auf Kundenseite Motivation zur Veränderung und insbesondere die finanziellen Möglichkeiten eine wichtige Rolle. Aufseiten des Gebäudes muss die Fähigkeit ausgelotet werden, wie mit möglichst niedrigen Temperaturen ein angenehmes Wohlfühlklima erzeugt werden kann. Ökologie und Ökonomie der empfohlenen Heizsysteme müssen schlicht im Einklang stehen. Dann ist die Wahl des Wärmeerzeugers fast schon Nebensache.

Reicht es also künftig als Installateur des Vertrauens aus, ausschließlich Wärmepumpen zu empfehlen?

Ganz so einfach dürfte es nicht werden, wenn diese auch im überwiegenden Fall zum Einsatz kommen werden. Ein Waldbesitzer beispielsweise wird jedoch nur schwer dazu bewegen zu sein, das eigene, kostenlos verfügbare Restholz nicht sinnvoll zu nutzen. Auf der anderen Seite macht es bei Kunden, die über ausreichende finanzielle Möglichkeiten verfügen, durchaus Sinn, eine Wärmepumpe gemeinsam mit Photovoltaik und Batteriespeicher anzubieten, wenn denn die Rahmenbedingungen des Gebäudes passen. Letztlich sind den Eigenheimbesitzern niedrige Betriebskosten und langfristig zuverlässige Lösungen am wichtigsten. Hier könnte die Politik punkten, wenn sie sich auf verlässliche und verbindliche Antworten einlässt, wohin sich die Energiekosten künftig dauerhaft entwickeln werden.

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Denn um die Wärmepumpe wirklich zur Nummer eins im Heizungsmarkt werden zu lassen, müssen die Strompreise dauerhaft günstiger werden. Es gilt also weiterhin, bei der Beratung und den empfohlenen Lösungen zu differenzieren, um den Kunden optimal zu beraten. Ökologie und Ökonomie von Heizsystemen müssen Hand in Hand gehen. Daraus sollte sich dann hoffentlich ein Auftrag ergeben. Danach ist nur noch eine gute Installation abzuliefern. Anschließend gilt es, den Kunden auch im Nachgang bei der Optimierung des Gesamtsystems zur Seite zu stehen – am besten mit einem Wartungsauftrag. Denn ein zufriedener Kunde ist letztendlich die beste Empfehlung, die es geben kann. (ml)

Dieser Beitrag wurde zuerst in der Si 7-8/2024 veröffentlicht.

Methodik der Umfrage
Civey, ein Unternehmen für digitale Markt- und Meinungsforschung, hat für Buderus vom 22. März bis
3. April 2024 online 2.500 Personen, die in einem eigenen Haus leben, befragt. Die Ergebnisse auf
Ebene der Bundesländer sind repräsentativ auf Basis einer modellbasierten, statistischen Methode
für kleine Datenräume. Der statistische Fehler auf Ebene der Bundesländer liegt bei knapp über
drei Prozentpunkten.