BEG und GModG: SHK-Handwerk zwischen Kritik und Akzeptanz

Kurz vor der politischen Sommerpause wurden wichtige Gesetze beschlossen, die den Alltag im SHK-Handwerksbetrieb in den nächsten Jahren prägen werden. Innungsvertreter und Handwerker sagen ihre Meinung zur neuen Heizungsförderung und zum beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz. Die von der Politik versprochene Sicherheit gerät schon jetzt ins Wanken.

Kundengespräch im Heizungskeller mit Wärmepumpe mit Heizungsinstallateur und zwei weiteren OPersonen
Kundenberatung beim Heizungstausch wird immer wichtiger. Das Heizungshandwerk muss vor Ort ausbügeln, was die Bundesregierung versäumt zu kommunizieren. – © BWP
Ulrich Grommes
Ulrich Grommes, Landesinnungsmeister NRW: „Hat sich die Bundesregierung Gedanken dazu gemacht, was eine Vollbremsung bei der wichtigsten Heizungstausch-Förderung und eine adhoc-Schließung des KfW-Antragsportals für ein Chaos beim Handwerk und ihrer Kundschaft anrichten?“. – © SHK Innung NRW
Dr. Jan Ossenbrink Vamo
Dr. Jan Ossenbrink, CEO Vamo:“Statt den Markthochlauf mit einer einmaligen, radikalen Förderanpassung abzuwürgen und aus symbolpolitischen Gründen ein Boom-Bust-Szenario zu erzeugen, wird die Förderung mit Augenmaß reduziert, schrittweise. Das ist schlau und förderpolitisches Einmaleins – diese Best-Practice-Umsetzung wurde so aber wohl nur von den wenigsten Beobachtern erwartet..“ – © Vamo

„Die neue Heizungsförderung ab dem 21. Juli 2026 trifft viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer hart – und uns im Handwerk mitten in der Umsetzung. Mit dem GModG und dem kurzfristigen Förderstopp wurden Zuschüsse für zukunftsfähige Heizungen faktisch um teils über 3.500 Euro gekürzt, während wir parallel mit Kundinnen und Kunden seriös planen und Angebote schreiben“, sagt Philipp Peters. Er ist Geschäftsführer der Konrad Peters Nachf. GmbH, einem SHKE-Betrieb in vierter Generation aus Bad Lippspringe.

Der Heizungsfachmann und viele seiner Kollegen waren nach dem Förderstopp über Nacht in Teilen entsetzt, weil bereits geplante Wärmepumpenprojekte wackeln und die Kundschaft jetzt noch mehr verunsichert ist als vor den neuen Regeln. Auch sind die SHK-Handwerker besorgt, was passiert, wenn die Portale am 21. Juli wieder öffnen.

Bitte nicht noch mal!

Rainer Häfele von der Häfele Haustechnik GmbH und Obermeister der Innung Göppingen sagt: „Die kurzfristige Anpassung der Wärmepumpen-Förderung hat unsere Betriebe kalt erwischt: Ohne vorherige Information wurde die Antragstellung nach den bisherigen Konditionen innerhalb weniger Stunden eingestellt. Das darf sich nicht wiederholen. Wir fordern von der Bundesregierung verbindliche Übergangsfristen von mindestens mehreren Wochen bei jeder künftigen Förderänderung – alles andere ist auf dem Rücken der Kunden und Betriebe ausgetragen.“

Landesinnungsverbände empört

Ulrich Grommes, Landesinnungsmeister Fachverband SHK NRW, äußerte sich zur Kürzung des BEG EM: „Das SHK-Handwerk steht fassungslos vor den Scherben ihrer kontinuierlichen Überzeugungsarbeit und Anstrengungen zur Umsetzung der Wärmewende. Hat sich die Bundesregierung Gedanken dazu gemacht, was eine Vollbremsung bei der wichtigsten Heizungstausch-Förderung und eine adhoc-Schließung des KfW-Antragsportals für ein Chaos beim Handwerk und ihrer Kundschaft anrichten?“

Grommes meint: „Die neue Förderkulisse wird zwar mit sozialen Begriffen wie dem ‚Familienbonus‘ gespickt, geht aber an der Lebensrealität der Gesellschaft vorbei: Die Menschen, die den Einkommensbonus mit 40 Prozent ab 30.000 Euro – am besten mit Kind – bekommen sollen, bilden eher die Ausnahme. Das Gros der Gesellschaft, das Heizungsanlagen besitzt und mittlerweile überzeugt und sanierungswillig ist, wird sukzessive viel weniger erhalten. Damit wird die Wärmepumpe und damit die Wärmewende in unserem Land nun deutlich teurer.“

„Wir müssen raus aus der Opferrolle und klar sagen, wer die Schuld für dieses Chaos trägt. Unser Bundesverband ZVSHK ist im Gespräch mit dem BMWE. Wir werden nochmals deutlich machen, dass wir mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden sind!, sagt Wolfgang Schwarz, der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes SHK Bayern.

Zustimmung zu den Kürzungen und Politik

Es gibt aber auch Stimmen aus dem Handwerk, die die neue BEG positiver sehen und der Meinung des ZVSHK widersprechen, so wie Dr. Jan Ossenbrink, CEO von Vamo. Das Kölner Unternehmen ist ein deutschlandweit tätiger Wärmepumpen-Experte und bietet den Heizungstausch zur Wärmepumpe zum Festpreis an. Ossenbrink freut sich, dass endlich Klarheit herrscht: „Das neue System schmilzt die Förderung sukzessive ab und schafft somit klare Anreize zur Kostensenkung, die bislang fehlten. Wer als Heizungsbauer im Wettbewerb nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das schafft Innovationsdruck und ist gut für Verbraucher. Gleichzeitig wird die Unterstützung einkommensschwacher Haushalte gestärkt. Endkunden wissen, was bis 2030 auf sie zukommt.“

Ein Si-Leser, SHK-Unternehmer aus Baden-Württemberg, schrieb der Redaktion und widerspricht ebenfalls der Meinung von Michael Hilpert vom ZVSHK. „Immer nur Förderung macht die Wärmepumpe auch nicht besser. Statt zu jammern, ist jetzt das Handwerk gefragt, eine Beratung dem Kunden anzubieten. Die Eckdaten zum Handeln laut GModG sind gesteckt. Auch wenn die Förderung immer weniger wird. Die Aufteilung nach Fördergruppen ist doch schon einmal ein Fortschritt.“

Wie geht es weiter?

Nach der missratenen Kommunikation zwischen Branche und Politik soll es ab dem 21. Juli eigentlich stabil weitergehen mit Heizungstausch und Wärmewende. Die Politiker haben aber noch Nachbesserungsbedarf, so das Handwerk. „Wenn die Förderung gekürzt wird, müssen wenigstens die strukturellen Bremsen gelöst werden: Strompreise runter, Bürokratie abbauen, Lohnnebenkosten senken,“ sagt Landesinnungsmeister Brommes aus NRW.

Apropos Planungssicherheit: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bereits Verfassungsbeschwerde gegen das GModG angekündigt und diese Woche einen Brief den Bundespräsidenten (zum PDF) geschrieben. Frank-Walter Steinmeier soll die verfassungsrechtlich vorgeschriebene Beteiligung der Bundesländer sicherstellen und das GModG nicht unterschreiben. Dann würden die Länder über das Gesetz nochmal neu nach dem Sommer im Bundesrat abstimmen. Der Bundesrat könnte das GModG nur ablehnen, wenn auch Länder nicht zustimmen, in denen Grüne oder Linke nicht mitregieren.

Quellen: : ZVSHK, SHK Landesinnungen Bayern, Baden-Württemberg und NRW, Vamo, Leserbriefe und www.lto.de