Die Bundesregierung führt 2026 bis 2028 einen Industriestrompreis von 5 Cent/kWh ein. Er soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Unternehmen sichern. Da die Entlastung primär auf Großbetriebe zielt, geht das Handwerk leer aus und fordert Entlastungen für alle.

Am 16. April hat die Bundesregierung die Einführung des Industriestrompreises für die Jahre 2026 bis 2028 verkündet. Nachdem die Europäische Kommission die Maßnahme beihilferechtlich genehmigt hat, soll insbesondere die energieintensive Industrie – rund 10.000 Unternehmen – „spürbar entlastet werden“. Ziel ist es, den Industriestandort Deutschland zu stärken und Planungssicherheit in Zeiten hoher Energiepreise zu schaffen. Die begünstigten, energieintensiven Unternehmen sind in der offiziellen KUEBLL-Liste der EU aufgeführt.
Industrie profitiert – Handwerk bleibt außen vor
Der geplante Zielpreis von rund 5 Cent pro kWh richtet sich vor allem an strom- und handelsintensive Branchen wie Chemie, Glas oder Kunststoffverarbeitung. Klassische SHK-Betriebe zählen in der Regel nicht zu den Begünstigten. Schon im Vorfeld der Strompreissenkung, hatte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Kritik geübt und eine Entlastung für alle gefordert.
„Ein Industriestrompreis ist grundsätzlich nicht geeignet, den Wirtschaftsstandort Europa und Deutschland zu stärken. Vielmehr verzerrt er den Wettbewerb zulasten von kleinen und mittleren Handwerksbetrieben, die diese Entlastung mitfinanzieren müssen“, so der ZDH im vorigen Jahr. Laut der Deutschen Handwerkszeitung (DHZ) gilt diese Kritik auch aktuell.
Indirekte Effekte für SHK-Betriebe
Positiv könnte sich der Industriestrompreis dennoch indirekt auswirken. Sinkende Energiekosten in der Industrie könnten mittelfristig zu stabileren Preisen bei Materialien und Vorprodukten führen – etwa bei Metallen, Kunststoffen oder technischen Komponenten, die im SHK-Bereich eingesetzt werden.
Zudem verweist die Bundesregierung auf bereits beschlossene Entlastungen wie die Senkung der Stromsteuer und Zuschüsse zu Netzkosten, von denen auch kleinere und mittlere Betriebe profitieren würden.
Wettbewerbsdruck: Nachjustierungen beim Industriestrompreis möglich
Gerade im SHK-Handwerk, das eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielt – etwa beim Einbau von Wärmepumpen oder der Modernisierung von Heizsystemen –, wächst die Sorge, dass steigende Kosten die Investitions- und Innovationsfähigkeit bremsen könnten. Erst vor wenigen Tagen im April warnte der ZVSHK vor dem Abschwung im SHK-Handwerk.
Die Bundesregierung hat angekündigt, das Instrument weiterzuentwickeln. Auch auf europäischer Ebene laufen bereits Konsultationen zur Anpassung des Beihilferahmens. Ob künftig weitere Branchen einbezogen werden, bleibt aber offen.