Der Smart-Meter-Rollout soll laut dem neuen Reformpaket der Regierungskoalition schon bis 2030 erfolgen. Der ZVEH sieht den angedachten Smart Meter Light kritisch, weil die Politiker Verpflichtungen von den Messstellenbetreibern auf Kunden verlagern. Kritik gibt es auch für die iMSys-Bestellpflicht in der neuen BEG. Die Förderung ist am 21. Juli gestartet.

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) begrüßt, dass die Bundesregierung in ihrem Reformpaket Anfang Juli angekündigt hat, den Smart-Meter-Rollout zu beschleunigen. „Dass mehr als 90 Prozent der relevanten Messstellen nun schon 2030 und nicht erst 2032 mit Smart Metern ausgestattet sein sollen, kann aber nur ein erster Schritt sein, um Tempo beim Einbau intelligenter Messsysteme (iMSys) und Steuerungstechnik zu machen“, beurteilt Andreas Habermehl, ZVEH-Geschäftsführer Technik und Berufsbildung, die Maßnahme zur „Planungsbeschleunigung Verteilnetze“ (Punkt 16 Reformpaket).
Rollout praxistauglicher mit E-Handwerk
Der Verband fordert, den Smart-Meter-Rollout an den Installations- und Inbetriebnahmeprozessen im Fachhandwerk auszurichten. So ist es in der Praxis vielfach so, dass Kunden und Handwerker nach der Installation von PV-Anlagen, Batteriespeichern, Wärmepumpen oder Ladestationen oft keine Informationen von den Messstellenbetreibern erhielten, wann ein iMSys sowie die benötigte Steuerungstechnik verbaut würden. Dieses Problem könnte durch klare gesetzliche Fristenregelungen gelöst werden.
Noch sinnvoller wäre es, wenn installierende Handwerksbetriebe die Installation von iMSys und Steuerungstechnik selbst vornehmen. Die Vorteile für das stärkere Einbinden lägen auf der Hand, so der ZVEH. Die Handwerker kennen ihre Kunden, verfügen über die technische Qualifikation und die entsprechende Erfahrung. Sie sind schon aufgrund der Installation von PV-Anlage, Wärmepumpe oder Ladestation mit den Begebenheiten vor Ort vertraut.
Allerdings müssten für eine bessere Einbindung Prozesse klarer definiert und Schnittstellen zwischen Netzbetreiber, Messstellenbetreiber und Elektroinstallationsbetrieb praxistauglich ausgestaltet werden.
Verpflichtung nicht auf Kunden abwälzen
„Die Verpflichtung, den Rollout im vorgegebenen Zeitraum umzusetzen, liegen jedoch grundsätzlich beim grundzuständigen Messstellenbetreiber“, macht Habermehl klar. Der Verband plädiert daher dafür, Messstellenbetreibern bestimmte Fristen vorzugeben, innerhalb derer iMSys und Steuerungstechnik nach der Installation von PV-Anlagen, Wärmepumpen oder Ladestationen bereitzustellen sind.
„Dass sich die Kunden/-innen darum kümmern sollen, dass sie frühzeitig mit einem iMSys oder einer Steuerbox ausgestattet werden, ist daher der falsche Ansatz und wälzt die Verpflichtung der Messstellenbetreiber ab“, kritisiert Andreas Habermehl.
Kritik an iMSys-Bestellpflicht in neuer BEG
Aus diesem Grund lehnt der ZVEH eine iMSys-Bestellpflicht, wie sie im Zuge der Änderung der „Bundesförderung Effiziente Gebäude“ (BEG) geplant ist, strikt ab. Diese sieht vor, nur noch Wärmepumpen zu fördern, für die vom Kunden bereits ein iMSys inklusive Steuerungsbox beim Messstellenbetreiber beantragt wurde („iMSys-Bestellpflicht“).
„Smart Meter Light“ zu kompliziert
Die Einführung eines sogenannten „Smart Meter Light“ für Kunden, die nicht dem verpflichtenden Rollout unterliegen, stellt für den ZVEH keine praxistaugliche Lösung dar, da ein Smart Meter Light Doppelstrukturen fördert und die Komplexität des Rollout-Prozesses weiter erhöht.
Das gelte insbesondere dann, wenn sich die Anforderungen der Kunden im Laufe der Zeit ändern. Etwa durch Installation einer PV-Anlage, Wärmepumpe oder Ladestation. In diesen Fällen müsste nachträglich auf eine vollwertige Lösung umgerüstet werden. „Dann fallen erneut Kosten für eine Installation sowie neue Abstimmungsprozesse an. Das ist Kunden/-innen kaum vermittelbar“, warnt Habermehl, „zumal wir auch für den Smart Meter Light zunächst Standardisierungs- und Zertifizierungsprozesse aufsetzen müssten, was den Rollout wiederum bremst.“ Das Positionspapier des ZVEH zur Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts hier: PDF