Die Si sprach mit Ute Bleker, Mit-Geschäftsführerin des Familienbetriebs Bleker GmbH in Raesfeld, die ihre Meisterprüfung sowohl als Anlagenmechanikerin SHK als auch in der Elektroinstallation erfolgreich absolviert hat – und seit 2022 Mutter ist.

Si: Frau Bleker, Sie haben 2005 ihre Ausbildung zur Anlagenmechanikerin SHK begonnen und 2012 erfolgreich Ihre Meisterprüfung Heizung/Sanitär abgelegt. Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, das SHK-Handwerk zu wählen?
Ute Bleker: Für mich war klar, ich wollte etwas Handwerkliches oder Kreatives machen. Ein reiner Bürojob wäre nichts für mich gewesen. In der 9. Klasse standen die ersten Praktika an. Das erste Praktikum habe ich als Maler- und Lackiererin absolviert, was bereits ein
erstes Schnuppern ins Handwerk war. Ich musste aber feststellen, dass es für mich nicht der richtige Beruf ist. In unserem Familienbetrieb, der Bleker GmbH in Raesfeld zu arbeiten, hatte ich bis dahin noch nicht auf dem Lebensplan.
Ein Jahr später habe ich zufällig beim Durchzappen im TV einen Bericht über eine Klempnerin gesehen. Das fand ich sehr cool und ich dachte, warum nicht?
Daraufhin habe ich mir eine passende Praktikumsstelle gesucht. Die Firma, bei der ich dann gearbeitet habe, hat alles richtig gemacht, da ich mich im Nachgang für eine Ausbildung als Anlagenmechanikerin SHK entschieden habe.
Si: Zukunftsträchtig und aktuell ist der Elektrobezug im SHK-Handwerk nicht nur aufgrund der heute starken Nachfrage nach Wärmepumpen. Was hat Sie bewogen, 2014 noch die Lehre als Elektroinstallateurin draufzusetzen?
Bleker: Unser Familienunternehmen. Tatsächlich haben mein Onkel Wenzel Bleker und mein Vater Georg Bleker für mich entschieden. Sie haben mir den Ausbildungsvertrag hingelegt und gesagt: „Unterschreibe mal!“. Da unser Betrieb schon immer Elektroarbeiten mit angeboten hat, war für mich klar, dass ich das auch machen möchte. Die Ausbildung hat mir Spaß gemacht, da sie sehr vielseitig war.


Si: Das hat Zeit gekostet und sicher bedeutete es auch zunächst einen Schritt „back to the roots“. Wie sind Sie und Ihr Umfeld damit umgegangen, als Handwerksmeisterin eine zweite Ausbildung dranzuhängen?
Bleker: Ich habe es einfach gemacht. Die Berufsschullehrer, Ausbilder und die anderen Auszubildenden haben mich gut aufgenommen und sofort akzeptiert. Auf Widerstand bin ich nicht gestoßen. Letztendlich habe ich die zweite Ausbildung noch mal in einem anderen Licht gesehen. Durch den Teil 4 der Meisterschule – den „Ausbilderschein“– konnte ich beide Seiten im Betrieb verstehen und für mich mitnehmen, was für die Auszubildenden wichtig ist und wo die Kommunikation besser sein kann. Ich versuche, dies nun in der Praxis zu berücksichtigen.
Wie das Umfeld damit umgegangen ist, kann ich nicht beurteilen. Meine Freundinnen haben immer gesagt: „Wann willst du denn mal fertig werden mit dem Lernen?“. Auch haben Sie Witze gemacht wie „wenn das Telefon klingelt und jemand fragt: ‚Kann ich den Chef sprechen?‘, kannst du sagen: ‚Am Apparat‘. ‚Kann ich den Meister sprechen?‘, ‚am Apparat‘. ‚Den Ausbilder?‘, ‚am Apparat‘. Im ersten Punkt haben die Freundinnen recht gehabt. Bis zu meinem 30. Geburtstag habe ich immer irgendeine Fortbildung gemacht. Das war aber keine Last. Mir macht es Spaß und ich bin interessiert an meinem Beruf. Auch heute besuche ich immer wieder Lehrgänge.
Si: Gekrönt haben Sie die zukunftsfähige Zweigleisigkeit 2018 mit der Meisterprüfung in der Elektroinstallation. Wie haben Sie die beiden Handwerkszweige für Ihr Familienunternehmen verbinden können?
Bleker: Den Grundstein dafür hat mein Onkel Wenzel Bleker gesetzt. Er hat den Heizungs-, Sanitär- und Elektromeister gemacht. So können wir die anfallenden Elektroarbeiten mitmachen, ohne auf Nachunternehmer Rücksicht nehmen zu müssen. Für uns als Firma hat es sich in jedem Fall rentiert.
Si: 2022 sind Sie dann als Geschäftsführerin Ihres Familienunternehmens Mutter geworden. Wie vereinbaren Sie Familie und Beruf?
Bleker: Gute Frage. Eltern zu werden, kann man zwar planen, aber es kommt anders, als man denkt. Ich bin froh, dass ich den guten Rückhalt meiner Familie habe und gleichzeitig steht ein tolles Team hinter mir. Ohne wäre es quasi unmöglich. Mich unterstützt die Familie, die mir hilft, Termine wahrzunehmen oder einspringt, wenn die Tagesmutter mal Urlaub hat. Auf der anderen Seite steht mein Team im Betrieb, das mir den Rücken frei hält, wenn ich unerwartet nicht da bin oder mit Kleinkind auf dem Schoß arbeite, weil „Mama“ ein wichtiges Telefonat führen oder für die Monteure Geduld haben muss, da „Mama“ kurz die Welt erklären muss. Dafür bin ich sehr dankbar und weiß es sehr zu schätzen. Ein Hoch auf das Familienunternehmen!
Si: Welche Hürden begegnen Ihnen und welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?
Bleker: Eine Hürde ist in jedem Fall die Absicherung für selbstständige Frauen. Machen wir uns nichts vor, in den meisten Fällen muss „Mama“ von der Arbeit kommen, wenn es ernst wird. Mein Vorteil ist, dass ich noch angestellte Geschäftsführerin bin. Was ich gemerkt habe, ist, dass Kunden sehr viel verständnisvoller sind, als ich erwartet habe. Wenn ich mein Baby doch mal zum Termin mitbrachte, habe ich gemerkt, wie sehr sich die Menschen mit einem über den Nachwuchs freuen. Man muss einfach manche Dinge tun, bevor man zweifelt.
Si: Wie schätzen Sie die politische Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für selbstständige Handwerkerinnen und Handwerker ein? Was würden Sie verbessern wollen?
Bleker: Leider schwierig. Aber nicht nur für Handwerkerinnen und Handwerker und für jeden Selbstständigen. Das Elterngeld ist beispielsweise so ausgelegt, dass jeder, der Arbeiten gehen möchte, enorme Abzüge hat. Bei mir lag die Entscheidung, bei einem Einkommensunterschied zwischen 25 Stunden pro Woche arbeiten oder zu Hause zu bleiben bei etwa 150 bis 200 Euro, abzüglich der Kinderbetreuung für ein Kind unter einem Jahr von 200 Euro. Es wäre attraktiver gewesen, einfach zu Hause zu bleiben. Was ich nicht fair finde. Für mich war es keine Option, hundert Prozent zu Hause zu bleiben. Für meinen Mann ebenfalls nicht, weil er in einem Zwei-Mann-Betrieb arbeitet. Das empfinde ich als Rückschritt in Sachen Emanzipation. Meiner Meinung nach wird jeder bestraft, der in der Elternzeit arbeiten geht. Wenn jemand sich entschließt, in dieser Zeit zu arbeiten – weil er vielleicht auch muss – sollte es auch einen Mehrwert für ihn haben. Schließlich ist es das größte Defizit, die Zeit, die junge Väter oder Mütter nicht mit ihrem Kind haben.
Hintergrund:
Einen Kurzbeitrag und Informationen zum Thema „Elternschaft für Gründerinnen und Selbstständige erleichtern“ haben wir für Sie ebenfalls online gestellt.