Ein belgisches Forschungsteam hat verschiedene KI-Modelle darauf trainiert, Vorhersagen über die geschmacklichen Vorlieben von Biertrinkern auf Basis der chemischen Zusammensetzung der Biere zu treffen.

Es geht doch nichts über ein gutes Feierabendbier, denkt sich der Pfiffikus, als er am Freitagabend auf der Terrasse die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres genießt. Dass ihm das Feierabendbier so gut schmeckt, liegt zum einen sicher an einem produktiv verbrachten Tag harter Arbeit. Zum anderen hat die Menschheit viele Jahrhunderte Erfahrung im Bierbrauen – und Übung macht bekanntlich den Meister.
Ganz neu ist der Gedanke, dass bald auch künstliche Intelligenz (KI) eine wichtige Rolle bei der Herstellung des beliebten Gerstensafts übernehmen könnte. Ein Forschungsteam der Katholischen Universität Leuven in Belgien hat diese Möglichkeiten untersucht. Dafür analysierte das Team 250 belgische Biere und konnte feststellen, dass ein Zusammenhang zwischen den Geschmackspräferenzen der Trinker und der chemischen Zusammensetzung der verschiedenen Biere besteht.
Insgesamt schaute man sich 226 unterschiedliche chemische Eigenschaften wie Zucker- und verschiedene Säureanteile oder natürlich den Alkoholgehalt an. In der Folge nutzte das Forschungsteam um Michiel Schreurs die gewonnenen Daten, um verschiedene KI-Systeme damit zu trainieren. Insgesamt zehn auf maschinellem Lernen basierende Modelle stellten mit jeweils unterschiedlichen Methoden einen Zusammenhang zwischen den chemischen Eigenschaften der Biere und den geschmacklichen Vorlieben aus über 180.000 Kunden-Feedbacks her. Mithilfe dieser KI-Modelle sollten dann Vorhersagen getroffen werden, welche Biere den unterschiedlichen Kunden denn am besten schmecken würden.
Chemische Genauigkeit
Ein auf der Gradient-Boosting-Methode basierendes KI-Modell hatte dabei besonders großen Erfolg. Bei dieser Methodik werden verschiedene einfachere Modelle (sog. schwache Lerner) „in Reihe geschaltet“, wobei jedes nachfolgende Modell von dem profitiert, was es im vorherigen gelernt hat. „Dieser Ansatz hat die Genauigkeit herkömmlicher statistischer Vorhersagen deutlich übertroffen“, heißt es aus dem Forschungsteam.
So war es ihnen demnach möglich, die Beliebtheit gewisser Biere anhand ihrer chemischen Eigenschaften mit bemerkenswerter Genauigkeit vorherzusagen. Aktuell steckt diese Forschung noch in ihren Kinderschuhen und weit größere Datenmengen werden nötig sein, um die Geschmacksvorhersagen der KI so genau wie möglich zu machen. In Zukunft könnten auf Basis der so gewonnenen Daten aber ganz neue Geschmäcker kreiert werden, die z. B. genau auf die Vorlieben unterschiedlicher Altersgruppen oder Kulturen eingehen. Weiterhin wird von dem Forschungsteam betont, dass sich diese Technologie natürlich auch auf andere Lebensmittel ausweiten ließe – aber da ist der Pfiffikus bereits in Tagträumen vom perfekten Feierabendbier versunken.
Ihr
Pfiffikus