Der Pfiffikus hat ja schon viel gesehen. Kupferrohre, Edelstahlrohre, Kunststoffrohre – die Palette an Materialien, durch die Wasser fließen darf, ist lang. Aber diamantbeschichtete Rohre? Na ja, fast.

Ingenieure der Rice University in Houston haben einen Weg gefunden, industrielle Rohre von innen mit einer hauchdünnen Diamantschicht zu überziehen.
Der Feind: Kalkablagerungen, die den Durchfluss drosseln, Pumpenkosten hochtreiben und am Ende dazu führen, dass komplette Leitungen rausfliegen. Jeder Installateur kennt das Elend.
Mikrowellen, Methan und Physik
Das Verfahren klingt dagegen, als hätte jemand beim Kochen die falsche Zutat erwischt. Ein Gemisch aus Methan und Wasserstoff wird per Mikrowellenstrahlung so aufgeheizt, dass ein Plasma entsteht. Dabei lösen sich Kohlenstoff-Ionen, die sich auf einem Siliziumwafer absetzen
und dort tatsächlich Diamantstrukturen bilden.
Kein Juwelier nötig, nur Physik. Um die Wirkung gegen Mineralien noch weiter zu steigern, haben die Forscher die Diamantoberflächen zusätzlich mit Stickstoff, Wasserstoff oder Fluor behandelt.
Stickstoff als heimlicher Star
Die stickstoffmodizierte Variante schnitt im Labor am besten ab – die Ablagerungen lagen um eine ganze Größenordnung unter denen der anderen
Behandlungen. Diamant bringt von Haus aus extreme Härte, chemische Stabilität und Hitzebeständigkeit mit. Dass er Bakterienwachstum hemmt, war auch bekannt. Sein Potenzial gegen Kalk hatte aber bisher niemand systematisch untersucht. Forscher Pulickel Ajayan sieht großes Potenzial in der hauchdünnen Diamantschicht – etwa in der Wasserentsalzung und überall dort, wo Mineralablagerungen Ärger machen.
Beste Freunde eines Installateurs?
Warum muss der Pfiffikus nun an Marilyn Monroe denken? „Diamonds are a girls best friend“ sang sie einst im Spielfilm „Blondinen bevorzugt“. Künftig könnte es heißen: „Diamanten sind die besten Freunde eines Installateurs.“ Kalkfreie Rohre, zufriedene Kunden, weniger Notdiensteinsätze am Wochenende – klingt doch traumhaft.
Allerdings fragt sich der Pfiffikus, ob der Preis für diamantbeschichtete Leitungen den einen oder anderen Bauherrn eher zum Weinen als zum Strahlen bringen würde. Steigert das Verfahren den Wert eines Gebäudes oder belastet es am Ende nur das Konto des Bauherrn? Und kann ein Installateur euch finanziell von dieser Lösung profitieren?
Darüber muss der Pfiffikus unbedingt noch eine Weile nachgrübeln.
Ihr
Pfiffikus