Der Pfiffikus liebt seinen Kaffee in jeglicher Variante – Filterkaffee, Espresso, Wiener Melange. Und er liebt es, wenn alte Traditionen, ein hoher Qualitätsanspruch und moderne Technologie in Einklang kommen. Wenn das Ganze dann auch noch nach Energiewende aussieht – schaut der Pfiffikus ganz genau hin.

Während er am Morgen auf der Baustelle aus seinem Recyclingbecher an seinem heißen Kaffee schlürft, wird der Pfiffikus auf eine Meldung aufmerksam, die mit seinen Lieblingsthemen Kaffee und Energiewende zu tun haben. Er schnuppert kurz an seinem Kaffee und liest:
Aus Simmering in die Rösttrommel
In der Julius-Meinl-Gasse in Ottakring, im 16. Wiener Gemeindebezirk, röstet das gleichnamige Familienunternehmen seit über 160 Jahren Kaffeebohnen. Genau dort ist jetzt der erste wasserstoffbetriebene Kaffeeröster Österreichs in Betrieb. Befeuert wird er mit 100 % grünem Wasserstoff von Wien Energie, der per Elektrolyse in Simmering aus Wind-, Sonnen- und Wasserkraft entsteht. Der Pfiffikus stellt sich das gleich bildlich vor: Wiener Wind treibt eine Turbine, die Turbine spaltet Wasser, der Wasserstoff wandert in Gasflaschen über die Stadt nach Ottakring – und landet schließlich unter einer Trommel voller Rohkaffee. Eine Kaffeefahrt der besonderen Art.
Die Kaffeeröstung gehört, daran erinnert der Pfiffikus gerne, zu den energiehungrigsten Schritten der Kaffeeproduktion. Konstante Temperaturen rund um 200 °C sind Pflicht, eine vollständige Elektrifizierung technisch derzeit kaum machbar. Bisher kam in Wien Flüssiggas zum Einsatz, am Standort in Italien Erdgas. Der grüne Wasserstoff soll diese fossilen Energieträger nun ablösen – lokal produziert, im Röstprozess CO2-frei und mit derselben Röstqualität wie bisher, wie Thomas Meinl betont. Rund zehn Jahre Forschung stecken nach seinen Angaben in dem Projekt.
Zwölf Kilo Bohnen, zwei Kilo CO2 weniger
Der neue Röster verarbeitet pro Charge 12 kg Rohkaffee in rund 20 Minuten. Pro Röstvorgang spart er gegenüber der Flüssiggas-Variante etwa 2 kg CO2 ein. Klingt erst einmal nach einer überschaubaren Menge beim Kaffee wie beim CO2. Doch hochgerechnet kommt die Wiener Rösterei laut Julius Meinl auf ein potenzielles Einsparvolumen von bis zu 300 t CO2 pro Jahr. Industrielle Großröster verarbeiten allerdings rund 400 kg pro Charge – die 12-Kilo-Anlage ist aktuell also noch eher ein Vorzeigemodell als Teil einer Massenproduktion. Der Pfiffikus wertet das als Fingerzeig: Die Technik funktioniert, die Skalierung ist die nächste Hausaufgabe.
Christina Meinl, fünfte Generation der Familie, spricht von einem Schritt in eine nachhaltigere Kaffeezukunft ohne Qualitätskompromisse. Wien Energie-Geschäftsführerin Alma Kahler sieht grünen Wasserstoff als flexible Alternative zu fossilen Quellen – einsetzbar in Mobilität, Industrie und Energieerzeugung.
Der Pfiffikus nippt zufrieden an seinem Kaffeebecher und träumt von einer schaumigen Wiener Melange. Es wird Zeit für die Urlaubsplanung, die ihn in diesem Jahr nach Wien führen soll, um die Wasserstoffnutzung der Wiener Kaffeehauskultur ganz genau in den Blick zu nehmen.
Ihr
Pfiffikus