Der Pfiffikus hat sich neulich gefragt, was wohl passieren würde, wenn Bäume mitteilen könnten, wann sie Durst haben. Eine Antwort kam prompt aus München: Sie funken nach Wasser.
Dass Bäume nach Wasser funken können, soll eine Smart-City-Firma namens dataMatters möglich machen. Diese bietet der bayerischen Landeshauptstadt an, ihre neuen Innenstadtbäume mit Sensoren, Funk und einer Prise künstlicher Intelligenz auszustatten.
So intelligent wie die Ents aus Tolkiens „Herr der Ringe“ werden die Münchner Stadtbäume dadurch zwar nicht – aber das ist auch nicht das Ziel.
Teure Setzlinge, durstige Kandidaten
Zurück zum fachlichen Hintergrund: München will in der Fußgängerzone mehr als 150 neue Bäume pflanzen, damit es dort im Sommer nicht zugeht wie in einer Großraumsauna.
Pro Baum kalkuliert das Baureferat bis zu knapp 100.000 Euro. Den Großteil verschlingen nicht die Bäumchen selbst, sondern Planung, Grubenbau und das Umverlegen von Leitungen, damit Wurzeln und Rohre sich nicht in die Quere kommen.
Bei derartigen Preisen, so der Pfiffikus, müsste man ja jedes Blatt einzeln versichern. Genau hier setzt dataMatters-Geschäftsführer Dr. Daniel Trauth an. Denn wer so viel Geld in die Erde steckt, sollte auch wissen, wann gegossen werden muss – und wann eben nicht. Sein Konzept hört auf den Namen „Urban Tree Intelligence“.
Persönlichkeitstest für Platanen und Co.
Technisch geht es so: Sensoren messen die Feuchtigkeit im Xylem, also jenem Gewebe, das Wasser von der Wurzel ins Blatt transportiert. Die Werte wandern per Funk in einen urbanen Datenraum. Dort wertet sie die KI zusammen mit Wetterbericht, Bodenfeuchte und Bodenbeschaffenheit aus.
Und damit nicht jeder Baum einen eigenen Sensor braucht, hat dataMatters ein KI-Modell gebaut, das Bäumen Persönlichkeitsmerkmale zuweist – basierend auf Art, Standort, Bodenprofil und Sonne. Bäume gleicher „Persönlichkeit“ teilen sich die Messdaten. Der Pfiffikus stellt sich das vor wie eine Selbsthilfegruppe, Platanen mit Südlage etwa.
Wasser ist das Fundament
Trauth verweist gern auf die Bilanz eines ausgewachsenen Laubbaums: Bis zu 400 Liter Verdunstung am Tag, Bindung mehrerer Tonnen CO2 über die Lebensdauer und Schatten auf bis zu 150 m2. Dafür darf der Baum sich nicht im Trockenstress befinden. Sonst schließt er seine Spaltöffnungen, die Stomata – und macht nur Dienst nach Vorschrift: Dann gibt es keine Kühlung, keine CO2-Bindung, keine Wirkung.
In München stehen aktuell rund 230.000 Bäume auf öffentlichen Flächen, die in Trockenperioden mit Wasser versorgt werden wollen. Bislang fahren die Gießkolonnen pauschale Routen. Dadurch kommt manchmal zu viel Wasser an Standorte, an denen es nicht gebraucht wird, und zu wenig dorthin, wo es notwendig wäre. Das soll in Form einer optimierten Gießroute auf dem Tablet der städtischen Wasserfahrer künftig besser funktionieren.
Der Pfiffikus findet: Solange die Bäume nicht selbst die Gießkanne schwingen können, wie es den Baumhirten in Tolkiens Epos zuzutrauen wäre, ist ein kleiner Sensor im Stamm vermutlich die nächstbeste Lösung. Und vielleicht hört man künftig in der Sendlinger Straße ja doch ein leise geflüstertes digitales „Bitte Wasser – Durst!“.
Ihr
Pfiffikus
Nachtrag: In seinem kurzen aber verdienten Urlaub weckt ein Video mit dem Titel „Urban Tree Intelligence“ auf der Plattform Youtube (https://youtu.be/O8Uo64YJ7x4?si=pDe5nstGwj_9YjHC) im Stil eines Computerspiels aus den späten 1980er und frühen 1990er Jahren den Spieltrieb des Pfiffikus.
