Ernährung für Pfundskerle

„Ran an den Speck“ heißt das neue Motto vom Pfiffikus, der mit seiner Spezialdiät überschüssigen Pfunden zu Leibe rücken will.
Foto: Si, Jürgen Fälchle – stock.adobe.com

Gut gesättigt kommt der Pfiffikus aus der Mittagspause zurück, schnappt sich zum Nachtisch etwas Süßes und blättert in einer Zeitschrift. In der Men’s Health entdeckt er einen Beitrag zur richtigen Ernährung für Handwerker. Die solle ballaststoffreich und fettarm ausfallen. Aber gerade Bauprofis fällt es schwer, in der Mittagspause zu gesunder Vollwertkost zu greifen. Stattdessen kommt das auf den Tisch, was die Baustellenumgebung gerade hergibt: Leberkässemmel, Currywurst mit Pommes, belegte Brötchen oder Döner stehen nicht nur auf Pfiffikus’ Speiseplan, ­sondern auch auf dem vieler Kollegen. Kein Wunder, dass der Blaumann hier und da etwas spannt. Das Männermagazin empfiehlt überdies denjenigen, die Muskelmasse aufbauen möchten, eine eiweißhaltige Kost. Als sich der Pfiffikus den Kraftprotz auf der Titelseite ansieht und anschließend an sich selbst herunter, kommt er ins Grübeln und legt seinen Schokoriegel beiseite. Vielleicht ­wäre die Handwerkerdiät ja gar keine schlechte Idee? Der betriebsärztliche Gesundheitsbericht für Installateure der BG Bau bereitet ihm dann vollends ein schlechtes Gewissen: 26 % aller für die Studie befragten 6.328 Installateure ­weisen einen zu hohen Cholesterinwert (> 240 mg/dl) auf. 20 % haben deut­liches Übergewicht (BMI ≥ 30 kg/m²) und 10 % fallen mit zu hohen Blutdruckwerten (> 140 mg/dl) auf. Bei 3 % zeigen sich ­sogar bereits Anzeichen für einen möglichen Diabetes. Der Arbeitsmedizinisch Sicherheitstechnische Dienst rät Installateuren deswegen zu gesunder Ernährung und Ausdauersport.
Der Pfiffikus sieht’s ein und nimmt den Kampf gegen die überschüssigen Kilos auf. Doch welche Ernährungsweise ist die richtige? Paläo oder Trennkost? Low Fat oder Low Carb? FDH oder Mono-­Diät? Vegetarisch oder gleich vegan? Da sind sich auch die Ernährungsexperten uneinig. Manche raten zu Lebensmitteln mit niedrigem glykämischem Index, andere verteufeln Convenience-Food und proklamieren das „Clean Eating“. Zudem existiere die Gefahr von diversen Intoleranzen, zum Beispiel gegen Lak­tose, Fruktose oder Gluten.
Langsam bekommt der Pfiffikus den ­Eindruck, dass seine bisherige Ernährung nicht nur ungesund, sondern ­nahezu lebensgefährlich war. Sein Body-Mass-Index ist grenzwertig, der Jojo-­Effekt macht ihm Angst und überall ­wittert er Kalorienfallen. Auf der ­Suche nach der perfekten Handwerkerdiät stößt er auf immer neue Trends: Mal ist Ingwer das heilsbringende, gesundheitsfördernde Nahrungsmittel der Wahl, dann führt kein Weg mehr an sogenannten Super Foods wie Quinoa, Amaranth oder Chiasamen vorbei, mal gilt Kaffee als Sünde, dann soll er sogar das Leben verlängern. Während Eier früher als ­Cholesterinbomben verteufelt wurden, spricht sie eine neue Studie heute wieder von ihrem schlechten Image frei. Der Pfiffikus weiß langsam auch nicht mehr, welcher Ernährungsstil am besten zu ihm passt. Steckt in ihm ein Fruktarier? Oder ist er eher der Typ für die Kohlsuppendiät? Bei all seiner Beschäftigung rund ums richtige Essen beginnt ihm langsam wieder der Magen­ zu grummeln. Insgeheim war ihm ja die Atkins-Diät am sympathischsten. Die startet er mit einem saftigen Rindersteak. Dazu passen hervorragend die Kartoffeldiät und ein bisschen in Butter geschwenktes Low-Carb-Gemüse, findet der Pfiffikus. Und wenn er danach noch die Schlank-im-Schlaf-Diät macht, kann das mit der guten Figur doch
gar nicht so schwer sein!

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