Der Pfiffikus hat schon viel gesehen in seiner Karriere als Branchenbeobachter. Aber dass ausgerechnet Zigarettenstummel zur Energiewende beitragen könnten, das hatte er bisher nicht auf dem Schirm.

der Zigarettenfilter. – © Bild mit KI (Heise I/O – Nano Banana Pro) erstellt.
Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass dies möglich sein soll: Dazu haben Forscher den unbeliebten Abfall der Städte in Material für Stromspeicher verwandelt.
Vom Giftstummel zum Hightech-Material
Zigarettenfilter gehören zu den hartnäckigsten Umweltsündern. Millionen Tonnen landen jährlich auf Gehwegen, in Parks und Gullys. Die Dinger zerfallen nur sehr, sehr langsam, geben dabei munter Giftstoffe ab und bescheren Kommunen saftige Reinigungsrechnungen.
Doch jetzt kommt der Clou: Die Filter bestehen aus Celluloseacetat – einem kohlenstoffhaltigen Kunststoff, der sich unter kontrollierten Bedingungen in sogenannten Biochar verwandeln lässt. Das Verfahren klingt ein wenig nach Hexenküche, ist aber solide Materialforschung. Die gesammelten Kippen werden gereinigt, zerkleinert und bei rund 700 °C thermisch behandelt. Dabei lagern sich Stickstoff- und Sauerstoffatome in die Kohlenstoffstruktur ein, gleichzeitig bildet sich ein feines Porennetzwerk.
Das Ergebnis: eine innere Oberfläche von über 2.100 m2 – pro Gramm wohlgemerkt. Und ein Gramm des Materials hat etwa die Fläche eines halben Basketballfeldes. Auf dieser riesigen Fläche können elektrische Ladungen gespeichert werden.
Superkondensatoren statt Sondermüll
Die Forscher testeten ihr Kippen-Material als Elektrode in Superkondensatoren. Diese Bauteile laden und entladen sich blitzschnell, halten extreme Zyklen aus und eignen sich besonders für den Ausgleich kurzfristiger Stromschwankungen – etwa bei Wind- und Solarenergie. Nach 10.000 Ladezyklen behielt das Material noch über 95 % seiner Leistung.
Studienleiter Leichang Cao bringt es auf den Punkt: „Zigarettenkippen sind nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine wertvolle Kohlenstoffquelle.“ Die Energiedichte liegt bei über 24 Wh/kg – das ist vergleichbar mit kommerzieller Aktivkohle, nur eben aus Abfall statt aus Holz oder Kohle. Und das Beste: kein Lithium, kein Kobalt, kein Nickel. Die üblichen
Verdächtigen bei Lieferkettenproblemen bleiben außen vor.
Raucher als Rohstofflieferanten
Der Pfiffikus muss schmunzeln. Ob sich das Verfahren im großen Maßstab durchsetzt, bleibt abzuwarten. Aber der Gedanke gefällt ihm: Raucher als unfreiwillige Rohstofflieferanten für die Energiewende. Kurz überlegt der Pfiffikus sogar, ob er mit dem Rauchen anfangen sollte – dann aber Filterzigaretten, der Umwelt zuliebe. Doch dann entscheidet er sich, es lieber bleiben zu lassen. Es stehen ja auch so schon ausreichend
Kippen zur Verfügung.
Bleibt die Frage: Sollten Kommunen separate Kippen-Sammelboxen aufstellen? Der Pfiffikus hätte da schon einen Slogan
parat: „Filter für Stromspeicher“. Klingt besser als „Bitte nicht auf den Boden werfen“ – und könnte sogar funktionieren.
Ihr
Pfiffikus