Künstliche Pflanze reinigt Raumluft

Als Stubenhocker würde sich der Pfiffikus zwar selbst nicht bezeichnen, verbringt aber doch den Großteil seiner Zeit irgendwo drinnen. Und damit ist er nicht allein: Im Durchschnitt verbringen wir über 80 % unserer Zeit in Innenräumen von Schulen, Büros oder dem eigenen Zuhause. Die Luftqualität in diesen Räumen ist also ein nicht zu vernachlässigender Faktor.

US-Amerikanische Forscher haben eine künstliche Pflanze entwickelt, die die Raumluft in Innenräumen reinigen und dabei sogar noch Strom erzeugen kann.
US-Amerikanische Forscher haben eine künstliche Pflanze entwickelt, die die Raumluft in Innenräumen reinigen und dabei sogar noch Strom erzeugen kann. – © sirylok / Adobe Stock

Da es mit dem klassischen Lüften allein oft nicht getan ist, suchen Wissenschaftler fortlaufend nach Alternativen. Ein Team von Forschern an der Binghamton University im US-Bundestaat New York hat Ende letzten Jahres nun künstliche Pflanzen entwickelt, die in der Lage sind, die Raumluft zu reinigen und dabei auch noch Strom zu erzeugen.

Diese Pflanzen sind mit „Blättern“ ausgestattet, die mit sogenannten Cyanobakterien versehen sind. Ähnlich natürlicher Pflanzen sind diese Bakterien in der Lage, Licht zu nutzen, um Photosynthese zu betreiben und dabei CO 2 in Sauerstoff umzuwandeln. Strom entsteht dabei dadurch, dass bei diesem Prozess überschüssige Elektronen freigesetzt werden, die dann über spezielle Zellmembranen zur Anode transportiert werden. Das System kann eine Spannung von 2,7 V und eine Leistung von bis zu 140 μW erreichen. In Tests mit einem Prototyp mit fünf der künstlichen „Blätter“ konnten die Forscher den CO 2 -Gehalt im Raum um bis zu 90 % senken, was die Leistungsfähigkeit natürlicher Pflanzen bei weitem übertrifft – da sind es nämlich im Schnitt lediglich 10 %.

Professor Seokheun „Sean“ Choi von der Binghamton University ist zuversichtlich hinsichtlich einer breiten Anwendbarkeit der Technologie: „Ich möchte diesen Strom nutzen können, um ein Mobiltelefon aufzuladen oder für andere praktische Zwecke.“

Im Vergleich zu herkömmlichen Pflanzen bieten die künstlichen Pflanzen also eine kostengünstige und wartungsarme Alternative. Wie die gemeine Zimmerpflanze brauchen sie nur Licht, Wasser und Nährstoffe. Die Cyanobakterien sorgen dabei für eine nachhaltige CO2-Bindung und O2-Freisetzung. Künftige Weiterentwicklungen sollen weiterhin den Einsatz zusätzlicher Bakterienarten ermöglichen und so Lebensdauer und Effizienz der Pflanzen erhöhen. „Mit etwas Feinabstimmung könnten diese künstlichen Pflanzen in jedem Haushalt zum Einsatz kommen“, so Professor Choi.

Und außerdem ist es egal, wenn man mal vergisst, sie zu gießen, denkt sich der Pfiffikus abschließend und freut sich schon auf gesündere, grünere Raumluft in der Zukunft.

Ihr
Pfiffikus